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Manchmal wird auch mit psychologischen Tricks gearbeitet: Kleine Teller helfen, Abfall am Buffet zu reduzieren. Die Gäste laden sich nicht so viel auf.

Weltweit landen jährlich 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Müll. Hotels und Restaurants geloben Besserung, gehen aber nur halbherzig gegen die Verschwendung vor. Auch Gäste könnten mehr tun, wollen aber viel Auswahl.

Wenn Brigitte Heller die vollen Teller sieht, die die Gäste in ihrem Hotel täglich nach dem Frühstück an ihren Tischen zurücklassen, dann tut ihr das in der Seele weh. "Mich schmerzt es, Lebensmittel wegzuwerfen", sagt die Direktorin des Luzerner Monopol-Hotels. Deshalb hat sie der Essensverschwendung in ihrem Haus den Kampf angesagt. "Alle Ressourcen sind würdig und wertvoll" steht seit Anfang Juni in Englisch und Mandarin auf kleinen Aufstellern im Speisesaal, begleitet von der Bitte, sich aus ethischen und moralischen Gründen am Hotelbuffet nur so viel auf den Teller zu legen, wie man tatsächlich essen kann. "Ich möchte die Gäste nur informieren, nicht erziehen", sagt Heller. Sorgen, sich mit ihrer deutlichen Ansage das Geschäft zu ruinieren, muss sie sich nicht machen, die Gäste reagierten positiv, seien sogar froh über diese Gedächtnisstütze. Dass zu Beginn des Experiments 80 Prozent weniger Essensreste liegen blieben, mag auch an den Fernsehkameras der Journalisten gelegen haben, die das Ganze beobachteten. Langfristig rechnet Heller mit circa 50 Prozent weniger Tischabfällen.

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