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Ende der Reise:Kostenlos fliegen

Der isländische Künstler Oddur Eysteinn Friðriksson hat MOM-Air erschaffen, eine Phantasie-Airline mit Superbilligpreisen. Tausende wollten sofort buchen. Dabei war die Aktion nur ein Test um zu sehen, ob der Geiz der Menschen Grenzen kennt, wenn es ums Reisen geht.

Von Stefan Fischer

Eine alte Weisheit, die speziell auch für Reisende hilfreich ist: Führt rechts herum kein Weg, gehe links herum. Wahlweise kann es auch geboten sein, die Dinge einfach mal auf den Kopf zu stellen. Und wenn es nur drei Buchstaben sind - der Effekt ist unter Umständen vielversprechend. Damit jedenfalls hat der isländische Künstler Oddur Eysteinn Friðriksson kalkuliert, als er aus WOW leichterhand MOM gemacht hat.

Wow Air ist eine insolvente Billigfluglinie aus Island. Sie hat aber immer noch so viel Geld, dass sie Rechtsanwälte beauftragen kann, Briefe an Mom Air zu schreiben. Der Vorwurf: Zu ähnlich seien der Name und das Logo. Ein lächerlicher Streit. Denn die eine Fluglinie hat den Betrieb eingestellt. Und die andere hatte nie vor, ihn aufzunehmen. Friðriksson wollte mit der vermeintlichen Gründung lediglich zweierlei sehen: Ob der Geiz der Menschen Grenzen kennt, wenn es ums Reisen geht. Und ob eine Zumutung groß genug sein kann, als dass Touristen sie tatsächlich unzumutbar finden.

Die Ticketpreise bei Mom Air: eher noch niedriger als einst bei Wow. Einige Tickets sollten sogar kostenlos sein. Für alle Extras würde man allerdings bezahlen müssen. Für Sitzplatzreservierungen zur Kasse gebeten zu werden, kennt man von real existierenden Konkurrenten. Aber für Toilettenpapier und Handseife? Eine Sicherheitsweste? Davor ist bislang sogar Michael O'Leary zurückgeschreckt, der Vorsitzende von Ryanair - und das will etwas heißen.

Potenzielle Kunden kann das offenbar nicht verschrecken. Isländer sind in ihrer robusten Wikingerhaftigkeit wohl der Auffassung, dass Sicherheitswesten im Notfall ohnehin nichts helfen und man seinen Unterleib für einige Stunden schon einmal zusammenzwicken kann. Jedenfalls gab es Tausende Buchungsanfragen potenzieller Passagiere sowie über eine Agentur das Angebot, Abflugslots anderer Fluglinien anzumieten.

Ist Oddur Eysteinn Friðriksson nun ein Zyniker, der den Menschen ihre letzte Hoffnung raubt? Sie von einer Reise träumen lässt und dann wie mit einem Schwall kalten Wassers aufweckt? Nun, wenn man wollte, konnte man durchaus erkennen, dass Mom Air nur ein Scherz ist. Derzeit allerdings würden Menschen ihre eigenen Stühle mitbringen, wäre das die Bedingung, um an Bord gelassen zu werden.

© SZ vom 03.12.2020
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