Brexit und Reisen Weniger Whisky, längere Schlangen

Der Brexit könnte Nachteile für Reisende aus Europa bringen, falls es wirklich zu einem No Deal kommt. Flugzeuge müssten auf dem Boden bleiben und europäische Versicherungen würden nicht mehr gelten.

Von Eva Dignös

In den Osterferien ein Städtetrip nach London. Im Sommer mit dem Mietwagen durch Schottland. Und die Kinder würden gerne Sprachferien in Cornwall machen. Es gibt genug Gründe für eine Reise nach Großbritannien. Doch am 29. März ist der Stichtag für den Austritt des Landes aus der Europäischen Union - und noch ist nicht geklärt, wie danach die Beziehungen zur EU aussehen. Das bringt auch Unsicherheiten für die Reiseplanung. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Kann ich derzeit überhaupt Reisen nach Großbritannien buchen?

Auch wenn der Eindruck entstehen mag, dass sich die britische Insel immer weiter vom übrigen Europa isoliert, sind England, Schottland, Wales oder Nordirland natürlich nicht von der Außenwelt abgeschnitten. Flüge und Pauschalreisen lassen sich wie gewohnt buchen. Gelingt trotz aller Widerstände noch die Einigung auf ein Austrittsabkommen, reisen Urlauber auch weitere zwei Jahre so, als habe es keinen Brexit gegeben. So lange würde nämlich die Übergangsfrist dauern, in der die Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU neu geregelt werden. Ein harter Brexit ohne Abkommen mit der EU könnte allerdings tatsächlich spürbare Folgen auch für Urlauber haben.

"Reisende sollten deshalb die Risiken der verschiedenen Transportmöglichkeiten abwägen", sagt Isabelle Buscke, Leiterin des Brüsseler Büros des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV). "Derzeit unterliegen sie alle europäischen Binnenmarktregulierungen. Bei einem harten Brexit kann es passieren, dass die Zulassungen, Lizenzen und Zertifikate für britische Unternehmen nicht mehr gültig sind." Betroffen wäre vor allem der Flugverkehr. So können europäische Airlines derzeit in allen Mitgliedsländern Flüge anbieten, die britische Easyjet etwa darf nicht nur von Großbritannien aus fliegen, sondern auch von Düsseldorf nach Berlin. Bei einem ungeregelten Brexit scheidet Großbritannien aus dem gemeinsamen Flugmarkt aus, Start- und Landerechte müssten neu verhandelt werden.

Bei einer Anreise mit der Fähre oder mit dem Zug durch den Eurostar-Tunnel unter dem Ärmelkanal rechnet Buscke mit weniger starken Auswirkungen. Womöglich gibt es längere Wartezeiten an den Grenzkontrollstellen, weil nach einem Brexit wieder Zollkontrollen notwendig wären.

Welche konkreten Folgen könnte ein harter Brexit auf den Flugverkehr haben?

Das vermag derzeit niemand im Detail vorherzusagen. "Es könnte sein, dass Flüge storniert werden", sagt Isabelle Buscke. Die EU versuche das mit einem Notfallplan zu verhindern, der den Status quo in der Luft aufrechterhalten soll, indem die bestehenden Genehmigungen trotz Brexit verlängert werden. Eine Garantie, dass alle geplanten Flüge auch tatsächlich durchgeführt werden können, sei das aber nicht.

Auch der Anspruch auf Entschädigung bei einem stornierten oder stark verspäteten Flug wäre möglicherweise hinfällig. Derzeit werden bis zu 600 Euro gezahlt, sofern der Flug in der EU beginnt oder von einer Airline mit Hauptsitz in der EU durchgeführt wird. Wer nach einem harten Brexit mit einer britischen Fluggesellschaft in Großbritannien startet, hätte keine Ansprüche mehr - sofern nicht vorher entsprechende nationale Gesetze erlassen werden. Das ist nicht unwahrscheinlich und wird beispielsweise auch in der Schweiz so gehandhabt. Allerdings wird die Zeit dafür allmählich knapp.

Welche Dokumente brauche ich künftig, um nach Großbritannien einzureisen?

Bisher genügte deutschen Staatsbürgern für die Einreise nach Großbritannien der Personalausweis. Bei einem Brexit mit Austrittsabkommen würde sich daran nichts ändern: Zumindest für die vereinbarte Übergangszeit blieben die Einreisemodalitäten so wie vor dem Brexit. Bei einem harten "No-Deal"-Brexit ist das ungewiss, möglicherweise muss dann ein Reisepass vorgelegt werden.

Beide Seiten haben aber in den vergangenen Wochen deutlich gemacht, dass sie bei Aufenthalten von bis zu 90 Tagen zumindest auf Visa verzichten würden. "Wahrscheinlich ist, dass es ähnliche Regelungen geben wird wie mit Norwegen oder der Schweiz", sagt Ellen Madeker vom Deutschen Reiseverband (DRV), dem Branchenverband der deutschen Reisewirtschaft. Beide Länder gehören nicht der EU an, trotzdem können EU-Bürger mit dem Personalausweis einreisen und ohne Visum maximal drei Monate bleiben.

Auf Kontrollen an den Grenzen mussten sich Großbritannienurlauber immer schon einstellen. Das Land ist kein Mitgliedstaat des Schengener Abkommens, die Personenkontrollen wurden deshalb auch nie abgeschafft.

Was passiert, wenn ich im Urlaub in Großbritannien krank werde?

Mit ihrer Versichertenkarte werden gesetzlich Versicherte auch im europäischen Ausland behandelt, so auch in Großbritannien in allen Praxen, die dem National Health Service angehören. Das könnte sich nach einem Brexit ändern. Fällt der Versicherungsschutz weg, sollten Urlauber eine private Auslandskrankenversicherung abschließen. Die Verbraucherzentralen empfehlen sie im Übrigen auch jetzt schon für sämtliche Reisen, ganz gleich ob innerhalb oder außerhalb Europas. Privat Versicherte müssen sich ohnehin auf diese Weise absichern.

Kann ich nach einem Brexit mein Handy noch in Großbritannien nutzen?

Nutzen schon - aber möglicherweise zu einem deutlich höheren Preis. Die schönen Zeiten des kostenlosen Roamings könnten bei einem harten Brexit vorbei sein, denn die Abschaffung der Roaming-Gebühren ist nur für EU-Mitglieder bindend. "Der britische Anbieter könnte dann dem deutschen Anbieter wieder alles in Rechnung stellen", sagt Isabelle Buscke vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Auch das Bezahlen mit der Karte im Hotel oder Restaurant könnte teurer werden: Hier wurden die Gebühren ebenfalls nur innerhalb der EU abgeschafft.

Macht der Brexit das Reisen in Großbritannien teurer?

Damit ist eher nicht zu rechnen - im Gegenteil: Seit dem Brexit-Referendum im Juni 2016 ist der Kurs des Britischen Pfunds gegenüber dem Euro um rund 13 Prozent gefallen. Dadurch sind vor allem Dienstleistungen und britische Produkte günstig, während für Importartikel die Preise angezogen haben.

Und wie viel billigen Whisky darf ich mit nach Hause nehmen?

Für den Shopping-Trip nach London gelten bei einem harten Brexit andere Spielregeln. Zollfrei sind dann nur noch Waren im Wert von 430 Euro. Auch mit den großzügigen Freigrenzen, die innerhalb der EU für die Mitnahme von Alkohol oder Zigaretten gelten, wäre es vorbei: Statt zehn Litern darf nur noch ein Liter Whisky im Gepäck sein.