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Zitate von Richard von Weizsäcker:"Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung"

Richard von Weizsäcker gestorben

Richard von Weizsäcker, damals Berlins Regierender Bürgermeister, wird 1983 in Ost-Berlin vom Staatsratsvorsitzenden der DDR, Erich Honecker (r), begrüßt.

(Foto: dpa)

Richard von Weizsäcker beschwor die Verantwortung, den Holocaust niemals zu vergessen und mahnte immer wieder, Konflikte im Gespräch zu lösen - und die Umwelt zu schützen.

Zehn Jahre lang war Richard von Weizsäcker Bundespräsident. Davor war er von 1981 bis 1984 Regierender Bürgermeister von Berlin. Ein Überblick über wichtige Zitate des CDU-Politikers.

Nationalsozialismus und Rechtsextremismus

  • "Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft."
  • "Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird."
  • "Hitler hat stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Haß zu schüren. Die Bitte an die jungen Menschen lautet: Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder gegen Türken, gegen Alternative oder gegen Konservative, gegen Schwarz oder gegen Weiß. Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander."
  • "Erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, dass es zu einem Teil des eigenen Innern wird. Das stellt große Anforderungen an unsere Wahrhaftigkeit."
  • "Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 (Tag der Machtergreifung durch die Nazis, d. Red.) trennen."

Alle vorangegangenen Zitate stammen aus der Rede am 8. Mai 1985 vor dem Bundestag zum 40. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht.

  • "Wir können in der Geschichte unserer beiden Volker nichts miteinander vergleichen, nichts gegeneinander aufrechnen, denn was ein Mensch zu erdulden hatte, wird durch das Schicksal eines anderen nicht leichter."

Bei einem Besuch in Polen im Mai 1990

  • "Die Morde von Mölln und Solingen sind nicht unzusammenhängende, vereinzelte Untaten. Sondern sie entstammen einem rechtsextremistisch erzeugten Klima. Auch Einzeltäter kommen hier nicht aus dem Nichts."

Worte der Woche zitiert aus der Zeit, 11. Juni 1993 (nach dem rechtsextremistisch motivierten Brandanschlag auf ein Zweifamilienhaus am 29. Mai 1993, in dem türkischstämmige Bürger wohnten)

Deutsche Wiedervereinigung

  • "Sich zu vereinen, heißt teilen lernen."
  • "Es wäre weder aufrichtig noch hilfreich, wollten wir in dieser Stunde verschweigen, wie viel uns noch voneinander trennt."

Rede beim Festakt zur Wiedervereinigung Deutschlands in Berlin am 3. Oktober 1990

  • "Ich empfehle, mit den Wählern der PDS (Nachfolgepartei der SED, d. Red.) nicht das Gespräch abzubrechen, sondern es zu suchen."

Worte der Woche zitiert aus der Zeit, 1. Juli 1994

  • "Immer wieder sagten wir: Die deutsche Frage bleibt so lange offen, als das Brandenburger Tor zu ist. Aus dem Journalismus hat niemand zur Öffnung des Brandenburger Tores so viel getan wie er (Axel Springer, d. Red)."

Festakt zum 50-jährigen Bestehen des Axel-Springer-Verlags in Hamburg, 1996

Beziehung zu anderen Ländern

  • "Die heutige Westgrenze Polens bleibt unangetastet. Wir respektieren sie und haben jetzt und in Zukunft keinerlei Gebietsansprüche gegenüber Polen oder irgendeinem anderen Nachbarn."

Bei einem Besuch in Polen am 2. Mai 1990

  • "Ich war immer schon der Überzeugung und bleibe dabei, dass ein guter Europäer kein schlechter Patriot sein muss."

Ansprache vor beiden Häusern des britischen Parlaments in London 1986

  • "Die Amerikaner sind ein merkwürdiges Volk. Auf der einen Seite sind sie voller Ideale. Auf der anderen Seite instrumentalisieren sie die Vereinten Nationen für ihre nationalen Zwecke - dann, wenn sie es machtmäßig können."

​Worte der Woche zitiert aus der Zeit, 30. Juni 1995

Wohlstand und Gerechtigkeit

  • "Jede Mark, die wir in den Heimatländern der Flüchtlinge ausgeben, hat einen höheren Wert als das, was wir aufwenden müssen, wenn sie bei uns sind."
  • "Nur eine solidarische Welt kann eine gerechte und friedvolle Welt sein."

Ansprache vor der 72. internationalen Arbeitskonferenz in Genf, 11. Juni 1986

  • "Wir in Europa können nicht weiterhin eine Insel des Wohlstands, der Demokratie und des Friedens sein, wenn in anderen Teilen der Welt Hunger, Ungerechtigkeit, Flüchtlingselend, Terror und Gewalt herrschen."

Worte der Woche zitiert aus der Zeit, 3. April 1987; zum Abschluss einer Lateinamerikareise

Frieden und Dialog

  • "Das Ziel des Dialogs ist nicht Unterwerfung und Sieg, auch nicht Selbstbehauptung um jeden Preis, sondern gemeinsame Arbeit in der Methode und in der Sache".

Ansprache auf dem Weltkongress der Historiker in Stuttgart, 25. August 1985

  • "Der Freund des Gespräches aber ist der Freund des Friedens, der nur auf dem Gespräch der Menschen miteinander ruhen kann."

Ansprache auf dem Weltkongress der Germanisten in Göttingen 1985

Umweltschutz

  • "Der Mensch braucht die Natur, die Natur den Menschen nicht. Der Mensch ist Teil der Natur, er ist ihr nicht übergeordnet. Erst wenn er das begreift, hat er eine Überlebenschance."
  • "Ich halte an meinem schon 1989 öffentlich geäußerten Vorschlag fest, den Umweltschutz uneingeschränkt in die Verfassung aufzunehmen."​

In der Bild am Sonntag im Februar 1993

Sonstige Zitate

  • "Ihnen ist in der Politik etwas ganz Seltenes gelungen: In Ihrer Person haben Sie die Spannung zwischen Macht und Moral aufgehoben."

Anlässlich des 75. Geburtstages von Willy Brandt am 18. Dezember 1988

  • "Ich möchte [...] an das Wort von Hans Peter Schwarz erinnern, der über den Weg von der Machtversessenheit zur Machtvergessenheit in Deutschland gesprochen hat. Nach meiner Überzeugung ist unser Parteienstaat von beidem zugleich geprägt, nämlich machtversessen auf den Wahlsieg und machtvergessen bei der Wahrnehmung der inhaltlichen und konzeptionellen politischen Führungsaufgabe."

In der Zeit vom 19. Juni 1992

  • "Nicht behindert zu sein ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das uns jederzeit genommen werden kann"

Weihnachtsansprache im Jahr 1987

  • ​"Jede Zeit nimmt erst mal ihre eigenen Herausforderungen ernst. Das soll sie ja tun. Ich finde nur, dass der Blick auf die Geschichte diesen Herausforderungen gegenüber eine wirkliche Erleichterung ist."

In der Stuttgarter Zeitung 8. September 2008

© Süddeutsche.de/mane

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