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Wie funktioniert eigentlich...:... ein Staatsbesuch?

Am Dienstag besucht uns die Queen. Drei Tage lang. Warum eigentlich? Warum jetzt? Und wie wird so was im Detail geplant?

Von Bernd Oswald

Warum besucht die Queen Deutschland?

Weil der Bundespräsident sie eingeladen hat. Allerdings schon Johannes Rau. Horst Köhler hielt die Einladung aber selbstverständlich aufrecht.

Warum jetzt?

Das Jahr 2004 wurde von beiden Seiten ausgewählt, weil der letzte Staatsbesuch der Königin in Deutschland schon zwölf Jahre zurückliegt. Da Deutschland "zu den engsten Partnern Großbritanniens gehört", wie Londons Botschafter Peter Torry sagt, gibt sich die Queen zum vierten Mal nach 1965, 1976 und 1992 die Ehre. Vier Staatsbesuche hat sie sonst nur noch den USA und Frankreich abgestattet.

Wer entscheidet, wann es einen Staatsbesuch gibt?

In Deutschland der Bundespräsident. Es gilt die Regel, dass es vier eingehende und vier ausgehende Staatsbesuche pro Jahr gibt. Das Auswärtige Amt schlägt dem Bundespräsidenten vor, welche Länder mal wieder an der Reihe wären. Das Staatsoberhaupt entscheidet dann, wohin er fahren will und wer kommen soll.

Wie läuft die Planung ab?

Staatsbesuche funktionieren über Einladungen. Bundespräsident Köhler hat Elizabeth II. eingeladen. Nach der Zusage begann die Planung vor sechs Monaten. In der Regel dauert sie zwischen vier und zwölf Monaten. Auf deutscher Seite ist die Protokoll-Abteilung des Auswärtigen Amtes federführend, die eng mit der Botschaft des Gastlandes zusammenarbeitet. Jeder Schritt wird mit dem Besucher abgesprochen. Etwa vier Wochen vor Besuchsbeginn findet eine Vorausreise statt.

Wer ist noch an der Planung beteiligt?

Auf deutscher Seite das Bundespräsidialamt, das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, das Bundeskriminalamt, der Bundesgrenzschutz, sowie die Polizei und die Protokoll-Abteilungen der Bundesländer, die der Gast besucht. Auf britischer Seite der königliche Palast und das Außenministerium.

Welche Ehrbezeigungen gibt es?

Ab der Landesgrenze erhält das Flugzeug der Queen eine Eskorte von vier Flugzeugen der Luftwaffe. Nach der Landung gibt es ein Ehrenspalier der Bundeswehr am Flughafen Berlin-Tegel und 21 Schuss Salut. Bei der Fahrt in die Innenstadt gibt es eine Eskorte von je einem Polizeispitzen- und einem Polizeischlussfahrzeug sowie 15 Motorrädern.

In Schloss Charlottenburg begrüßt Bundespräsident Köhler die Queen mit militärischen Ehren. Außerdem wird große Beflaggung angeordnet: Bundes- und Europaflagge und der Union Jack werden am Flughafen und an festgelegten Straßenzügen gehisst. Im kleineren Stil wiederholt sich die Prozedur an den Stellen, die die Queen besucht.

Wer zahlt das Ganze?

Der Gastgeber, also die Bundeskasse. Die Bundesrepublik übernimmt die Unterbringungs- und Transport-Kosten für die Queen, ihren Gemahl Prinz Philipp und 15 weitere Delegationsmitglieder. Dieser Satz ist in der EU üblich. Die Unterbringung wird mit der Botschaft des Staatsgastes abgestimmt, erfolgt aber immer in führenden Hotels. In Berlin logieren Staatsgäste meist im Hotel Adlon.

Wie wird das Besuchsprogramm festgelegt?

Hier hat der Gast ein großes Mitspracherecht. Die Queen legt extremen Wert darauf, dass es keine Wiederholungen im Vergleich zu ihren ersten drei Staatsbesuchen in Deutschland 1965, 1976 und 1992 gibt. Es ist ihr wichtig, dass möglichst viele Leute die Möglichkeit haben, mit ihr in Kontakt zu kommen oder sie zu sehen.

Der diesjährige Staatsbesuch ist auf die Zukunft orientiert und dreht sich um das Thema Innovation. So wird die Queen die Klimaschutz-Konferenz in der britischen Botschaft eröffnen, das Neue Museum in Berlin und das Design-Zentrum in Essen besuchen und in Düsseldorf mit Vertretern der innovativsten britischen Investoren in Deutschland zusammentreffen. In Potsdam informiert sich die Königin, wie Rolls-Royce High-Tech-Arbeitsplätze geschaffen hat.

© sueddeutsche.de
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