Vor der Wahl im Kongo Tote, Brände, Plünderungen in Kinshasa

Der Einsatzort der Bundeswehr gilt als verhältnismäßig sicher. Doch auch hier ist es - zwei Tage vor der Wahl - erneut zu gewaltsamen Unruhen gekommen.

Am Sonntag soll im Kongo gewählt werden - doch auch wenige Tage vor dem Urnengang spitzt sich die Lage sogar in der Hauptstadt Kinshasa weiter zu.

Anhänger des Präsidentschaftskandidaten Bemba

(Foto: Foto: AP)

Am Tag der Abschlusskundgebung des kongolesischen Präsidentschaftskandidaten Jean-Pierre Bemba seien mindestens vier Menschen getötet worden, berichtete Radio Okapi.

Außerdem seien mehrere Gebäude geplündert und in Brand gesetzt worden, unter anderem ein Lager der privaten Sicherheitskräfte Bembas, die staatliche Medienbehörde und eine Freikirche.

Rede vor 50.000 Anhängern

Bemba, der als aussichtsreichster Gegenkandidat zum Amtsinhaber Joseph Kabila gilt, war am Donnerstag in Kinshasa angekommen und hatte im Stadium vor etwa 50.000 Menschen gesprochen.

Seine Anhänger skandierten "Sohn unseres Volkes", eine Anspielung auf die Herkunft Kabilas, der im tansanischen Exil aufwuchs und die Landessprache Lingala nicht sprechen kann.

Die katholische Kirche, die zunächst wegen vermuteter Unregelmäßigkeiten mit einem Boykott der Wahlen gedroht hatte, hat ihre Anhänger unterdessen aufgerufen, an der Wahl teilzunehmen.

Wahlen seien der rechtmäßige Weg, um dem Volk die Macht zu geben, betonte die kongolesische Bischofskonferenz.

Auch Bundeswehrsoldaten angegriffen

Am Donnerstag war außerdem ein Konvoi der EU-Truppe (Eufor) im Kongo in Menschenmenge hineingeraten, die auf Bembas Ankunft wartete.

Randalierende Bemba-Anhänger griffen die Autos der deutschen und französischen Soldaten mit Steinen und Holzlatten an. Drei Franzosen wurden leicht verletzt, zwei Autoscheiben zertrümmert.

Die Eufor hatte im Rahmen einer Informationsfahrt den Bürgermeister eines Stadtteils besucht und dort Fragen der Bevölkerung zu ihrem Einsatz beantwortet.

Mehr als 25 Millionen Wahlberechtigte sind am Sonntag zu der ersten freien Wahl seit mehr als vier Jahrzehnten in dem zentralafrikanischen Land aufgerufen.

Die 2000 Mann starke Eufor soll der UN-Mission helfen, die Wahlen abzusichern. Deutschland beteiligt sich mit 780 Soldaten, von denen derzeit etwa 280 in Kinshasa sind.