bedeckt München 26°

Volkszählung:Reif für eine Nummer

Die Ergebnisse von 2011 könnten manche Überraschung bereit halten. Seit den letzten Volkszählungen 1987 in der Bundesrepublik und 1981 in der DDR wurden die damals erhobenen Daten quasi pi mal Daumen fortgeschrieben. Das Statistische Bundesamt nimmt jedoch an, dass in Deutschland zum Beispiel 1,3 Millionen Menschen weniger leben, als es die vorhandenen Berechnungen nahelegen.

Die Zahl der Ausländer könnte demnach um rund eine halbe Million niedriger liegen. Auch die hohe Abwanderung aus den neuen Bundesländern - seit der Wiedervereinigung verließen, so schätzt man, etwa eine Million Menschen den Osten - macht die Bevölkerungsverteilung mittlerweile immer unübersichtlicher.

Eine ziemlich klare Datenspur

Die parlamentarische Mehrheit für das Gesetz war schon vor der Abstimmung am Donnerstagabend gesichert. Union und SPD betrachteten durch eine Expertenanhörung im Innenausschuss vor wenigen Tagen bereits alle Bedenken als ausgeräumt. Lediglich die Die Linke kündigte an, den Entwurf der Regierung abzulehnen. Jan Korte, Innenexperte der Fraktion, sagte, die vielen Daten der Bürger, die gesammelt werden sollten, seien nicht sicher und ihre Verwendung unklar.

Die Grünen enthielten sich der Stimme. Gleiches galt für die Liberalen, jedoch nicht wegen grundsätzlicher Bedenken, sondern weil Details der Erhebungen noch nicht ausreichend geklärt seien, so Leutheusser-Schnarrenberger. "Wir wollen keine Carte Blanche erteilen, solange diese Fragen noch offen sind", sagte die FDP-Politikerin.

Sie erwartet freilich nicht, dass es in der Bevölkerung ein ähnliches Aufbegehren geben wird wie 1987. Heute gingen die Bürger ohnehin zum Beispiel im elektronischen Zahlungsverkehr ganz anders mit persönlichen Angaben um. "Viele hinterlassen freiwillig eine ziemlich klare Datenspur."

© SZ vom 21.9.2007
Zur SZ-Startseite