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Verteidigungsministerin:"Schon eine Nummer"

Bundestag - Verteidigungsausschuss

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Mittwoch im Bundestag.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Kramp-Karrenbauers Plan, die "Tornado"-Flotte der Bundeswehr auch durch amerikanische "F-18"-Jets zu ersetzen, verärgert die hiesige Rüstungsindustrie.

Der Vorschlag von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die betagte Tornado-Flotte etwa zur Hälfte durch amerikanische F-18 -Jets zu ersetzen, stößt in der hiesigen Industrie auf Unverständnis. Thomas Pretzl, Gesamtbetriebsratschef der Airbus-Rüstungssparte, sagte der Süddeutschen Zeitung: "Es geht um einen Milliardenauftrag. Das ist Steuergeld, das in die USA für ein Produkt geht, das wir selber herstellen können. Das ist schon eine Nummer, zumal wir in die größte Rezession der Nachkriegsgeschichte hineinschlittern." Airbus ist am europäischen Eurofighter-Programm beteiligt. Auch ein Sprecher des Unternehmens zeigte sich unzufrieden: "Eine Split-Lösung mit Beschaffung der F-18 liegt grundsätzlich nicht im Interesse der deutschen Verteidigungsindustrie und stellt somit nicht die präferierte Lösung für die Nachfolge Tornado dar."

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer hatte zuvor im SZ-Interview und am Mittwoch im Verteidigungsausschuss ihren Plan vorgestellt, mit welchen Maschinen sie die noch 85 Tornados der Luftwaffe ersetzen will. Einen Teil der Aufgaben der Tornados sollen Eurofighter übernehmen, die Flotte soll mit bis zu 93 neuen Maschinen modernisiert und erweitert werden. Für zwei Spezialaufgaben aber - die elektronische Kampfführung, um beispielsweise feindliche Radarstellungen auszuschalten, sowie das Tragen von Atombomben - sollen die F-18-Jets angeschafft werden. Deutschland beteiligt sich am Konzept der nuklearen Teilhabe und hat zugesagt, im Ernstfall US-Atombomben ins Ziel tragen zu können. Kramp-Karrenbauer erklärte, wenn der Tornado ausgemustert werde, gingen der Luftwaffe Fähigkeiten verloren, die "aktuell nur von amerikanischen Herstellern angeboten werden". Sie will jetzt in Gespräche mit den USA einsteigen, eine Entscheidung im Parlament stehe aber wohl erst 2022 oder 2023.

Im Ausschuss wurde Kramp-Karrenbauers Vorschlag zurückhaltend, teils ablehnend zur Kenntnis genommen. Für den Koalitionspartner SPD blieben noch "einige erhebliche Fragen offen".

© SZ vom 23.04.2020
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