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V-Mann unter Mordverdacht:Ein V-Mann und drei Tote

Die Aussage steigert sich nun fast ins Unglaubwürdige: Unterwegs soll unter anderem ein Autohändler namens Ahmed H. zugestiegen sein. Der ist aus Ludwigshafen, geboren in Somalia, schon lange in Deutschland lebend. Man fährt zu einem Gehöft, ein Streit entbrennt. Angeblich, weil ein Georgier ein Goldkettchen mit einem Kreuz um den Hals getragen habe.

Es kommen noch mehrere andere Männer hinzu, drei von ihnen vermummt. Zwischen den Georgiern und den Vermummten um Ahmed H. wird heftig gestritten. Angeblich, so erzählt der festgenommene V-Mann, sei es noch um anderes gegangen: Um die Haltung Georgiens im Tschetschenien-Krieg, in dem Muslime gegen die Russen kämpfen, eine Front, in der es nur Freund oder Feind gibt.

Die Vermummten werfen den Georgiern vor, sie hätten die Tschetschenen nicht unterstützt, sie hätten geholfen, ihre Brüder zu ermorden. Am Ende werden zwei Georgier erschossen, den dritten nehmen die Vermummten mit. Er sollte, so erzählt der V-Mann, rituell geschächtet werden - bei einem bestimmten Imam im Großraum Frankfurt. Doch die zuständigen Behörden kennen keinen solchen Imam.

Auch die Leichen bleiben zunächst verschwunden, die Ermittler vermuten sie im Raum Heppenheim. Dort suchen sie den Jochimsee ab, auf dem Wasser schlagen Leichenspürhunde an. Doch nichts wird gefunden. An diesem Mittwoch dann werden im Altrhein bei Mannheim zwei Leichen gefunden. Die Körper sind jedoch so verschlammt, dass sie zunächst nicht identifiziert werden können. Die Staatsanwaltschaft will sich dazu bisher nicht näher äußern.

Dafür wissen die Ermittler umso mehr über jenen Ahmed H., der mit den Georgiern gefahren ist. Er gilt als überzeugter Islamist, als jemand, der viele Kontakte hat. Er sitzt mittendrin in einer islamistischen Szene, die die Fahnder fest im Blick behalten wollen.

Er ist als "Gefährder" eingestuft, gegen ihn wurde bereits mehrere Male ermittelt. Er soll Geld beschafft haben für den Dschihad, den Heiligen Krieg. Die Verfahren wurden eingestellt, doch die Fahnder lassen nicht locker: Sie wissen, mit wem er Kontakt hat: zum Beispiel mit Adem Yilmaz, dem Mann aus dem hessischen Langen, der zu den Bombenbauern vom Sauerland gehört und nun in Haft sitzt.

Oder auch zu Dr. Yehia Youssif, einem Pharmakologen und Prediger, der erst in Freiburg, dann im Multikulturhaus von Neu-Ulm predigte. Jener Mann, der den Dschihad predigte und in dessen Garage man Anleitungen zur Organisation von Terrorausbildungslagern fand. All diese Menschen kennt H.

Wie man Fahnder lockt

Hochrangige Ermittler halten es auch für möglich, dass es nicht um einen Ritualmord ging - sondern um Banaleres: die Beschaffung von Geld für den Dschihad. Und weil drei Georgier mit vielen Tausend Euro in der Tasche da waren, konnte man deren Geld den Heiligen Kriegern zukommen lassen. Nach Erkenntnissen der Ermittler kamen die Georgier jeweils mit Summen zwischen 5000 und 10.000 Euro zum Autokauf. "Möglicherweise ist der Raub dann zum Mord eskaliert", sagt ein Fahnder.

Fortsetzung auf der nächsten Seite: Möglich ist alles: vom schlichten Raubmord bis zum islamistisch inspirierten Ritualmord.