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USA:Im Land der begrenzten Pressefreiheit

Mit Judith Miller erwischt es eine Reporterin, die im eigenen Blatt umstritten ist. So hatte sie breit über Massenvernichtungswaffen im Irak geschrieben, offenbar gefüttert von der Bush-Regierung.

Miller gilt bei manchen Kollegen als überehrgeizig, selbst ihr Chefredakteur sprach von "spitzen Ellenbogen". Nun lobt Verleger Arthur Sulzberger jr. die Haft als "Akt des Gewissens".

In den USA sind Enttarnungen von Agenten strafbar. Den recherchierenden Reportern hatte Sonderermittler Patrick Fitzgerald verbissen nachgesetzt. Dabei hatte New York Times-Frau Miller nie eine Zeile über die Plame-Affäre geschrieben; ihre Quelle war den Ermittlern offenbar längst bekannt.

Und auch der dem Weißen Haus nahe stehende Kolumnist Robert Novak, der erstmals unter Berufung auf "zwei hochrangige Regierungsmitarbeiter" den Namen Plames nannte, wird vom Chefermittler Fitzgerald offenbar schonend behandelt. Zielscheibe seien eigentlich "die Quellen und nicht die Journalisten" gewesen, urteilt Medienexperte Tom Rosenstiel von der Columbia-Universität in New York.

"Ein Schauer den Rücken hinunterlaufen"

Geht es darum, Medien einzuschüchtern? In der Vergangenheit sind Skandale in den USA oft mit Hilfe anonymer Informanten aufgeflogen. Bestes Beispiel: die Watergate-Affäre. Ein Insider ("Deep Throat") hatte den Washington Post-Reportern Carl Bernstein und Bob Woodward Hinweise gegeben. Jüngst enthüllte sich der frühere FBI-Vizechef Mark Felt selbst als "Deep Throat".

Der Fall Miller ermuntert Staatsanwälte nun geradezu zur Jagd nach journalistischen Materialien. Insgesamt wurden im Jahr 2004 mehr als zwei Dutzend Reporter mit Vorladungen zur Preisgabe ihrer Quellen gedrängt.

Bill Keller, Chefredakteur der New York Times, warnt: Wer daran glaube, dass die Regierung "eng und aggressiv beobachtet" werden sollte, dem müsse "ein Schauer den Rücken hinunterlaufen".