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Urteil zur Sicherungsverwahrung - Leiter der JVA Freiburg im Gespräch:Mehr Personal für die Sicherheitsverwahrten

SZ: Welches Personal brauchen Sie für die Sicherungsverwahrten?

Rösch: Wir haben schon vor einem Jahr als Reaktion auf die Straßburger Entscheidung mehr Personal gefordert. Das Justizministerium war sehr aufgeschlossen. Wir brauchen in Freiburg für 50 Plätze mindestens vier Psychologen, vier Sozialarbeiter, besonders geschultes Vollzugspersonal und einen Arbeitstherapeuten.

SZ: Einen Arbeitstherapeuten?

Rösch: Wir müssen die Leute zum Arbeiten, aber auch zur Ausbildung, Freizeitgestaltung und Tagesstrukturierung motivieren - und auch für Therapien. Sicherungsverwahrte sind fast alle dissoziale Persönlichkeiten, die von sich aus selten zur Therapie gehen.

SZ: Wie kann man dann die zentrale Forderung nach mehr Therapien umsetzen?

Rösch: Es ist nicht leicht. Therapie tut ja auch weh. Das ist keine Wohltat, die wir den Sicherungsverwahrten überstülpen. Therapie ist sehr oft richtig harte Arbeit.

SZ: Mit dem Ziel eines straffreien Lebens in Freiheit.

Rösch: Dafür brauchen wir dann auch geeignete Einrichtungen, in denen Entlassene wohnen können. Damit befassen wir uns seit Jahren. Es muss auch dort geschultes Personal geben, einen durchstrukturierten Tagesablauf und die Möglichkeit zum Geldverdienen.

SZ: Wie sehr hilft Ihnen das Urteil beim Erreichen solcher Ziele?

Rösch: Das Urteil sorgt für Druck beim Bund und bei den Ländern. Es wird mehr Fachpersonal für die Sicherungsverwahrten geben, auch externe Personen wie Lehrer und Psychiater. Ich bin wirklich froh über diese Entscheidung.

SZ: Wie stehen Sie zum Rückfallrisiko?

Rösch: Mir gefällt an dem Urteil, dass es auch die Möglichkeit vorsieht, besonders gefährliche Täter nicht zu entlassen. Es gibt Leute, die man nicht entlassen sollte.