Umfrage Ostdeutsche verklären DDR

Mehr gute als schlechte Seiten: Auch knapp 20 Jahren nach dem Mauerfall beurteilen Bürger im Osten die DDR anders als Westdeutsche.

Mehr als die Hälfte der Ostdeutschen beurteilt einem Zeitungsbericht zufolge knapp 20 Jahre nach dem Mauerfall die DDR überwiegend positiv.

Die Wiedervereinigung brachte nur für eine knappe Mehrheit der Ostdeutschen den ersehnten Wohlstand.

(Foto: Foto: dpa)

49 Prozent der Befragten stimmten der Einschätzung zu, die DDR habe mehr gute als schlechte Seiten gehabt, zitiert die Berliner Zeitung aus einer Emnid-Studie im Auftrag der Bundesregierung. Weitere acht Prozent sähen an ihr sogar überwiegend gute Seiten.

56 Prozent der Bürger in den neuen Bundesländern fänden, durch die Wende seien die Hoffnungen auf Durchsetzung des Rechtsstaats und Gleichheit vor dem Gesetz verwirklicht worden, berichtete das Blatt weiter. Nur 37 Prozent stimmten der Aussage zu, der Einfluss des einzelnen Bürgers auf die Politik sei gegeben. Den erhofften materiellen Wohlstand sehe nur eine knappe Mehrheit im Osten erreicht.

Im Westen wird die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre weit positiver beurteilt, wie es in dem Bericht weiter heißt: 78 Prozent der Bürger lobten dort den Rechtsstaat. 26 Prozent der Westdeutschen beurteilten die DDR als Diktatur mit überwiegend schlechten Seiten, 52 Prozent sähen an ihr mehr schlechte als gute Seiten.

Der Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), der die Studie in Auftrag gegeben hatte, verlangte Konsequenzen aus den Ergebnissen. Diese zeigten, "dass wir in der Aufarbeitung der DDR-Geschichte nicht nachlassen dürfen", sagte er der Zeitung. Insbesondere die Schulen sollten sich stärker mit Alltag und Entwicklung der DDR sowie mit der friedlichen Revolution 1989/90 beschäftigen.