Terrorverdächtige aus Deutschland Verschleppt und gefoltert

Ein Fall sorgt für Aufsehen: Der CIA hat den Deutsch-Libanesen Khaled el-Masri entführt und wieder freigelassen. Doch mindestens zwei weitere Männer aus Deutschland sind immer noch in ausländischem Gewahrsam, weil sie als Terrorismus-Verdächtige gelten.

Khaled el-Masri

Von den USA verschleppt: der Deutsch-Libanese Khaled el-Masri

(Foto: Foto: Reuters)

Der gebürtige Libanese mit deutschem Pass saß monatelang in amerikanischem Gewahrsam. Im Dezember 2003 wollte er einige Tage in Mazedonien Urlaub machen - und wurde von US-Agenten nach Afghanistan verschleppt. Erst nach fünf Monaten konnte er in seine Wohnung bei Ulm zurückkehren.

Die Entführung Masris durch die CIA ist nach Einschätzung deutscher Sicherheitsbehörden auf eine Verwechslung zurückzuführen. Masri verkehrte zwar in der islamistischen Szene der Stadt Neu-Ulm und war mit dem Terrorverdächtigen Reda Seyam befreundet, doch er galt nicht als islamistischer Aktivist.

Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, besorgten sich die Amerikaner offenbar bei deutschen Stellen erst Material über Masri und die Neu-Ulmer Szene, als sie die Verwechslung bemerkt hatten. Ein Freund der Attentäter des 11. September 2001 habe den selben Namen, heißt es zur Erklärung aus amerikanischen Sicherheitskreisen.

Zu den vielen offenen Fragen in dieser Affäre zählt, ob Masri - wie aus amerikanischen Kreisen kolportiert wird - eine Entschädigung über 500.000 Dollar von den Vereinigten Staaten erhalten hat. Masri selbst dementiert diese Version.

Mohammed Haydar Zammar

Würde der Mann noch in Deutschland leben, würde er vermutlich rund um die Uhr observiert. Denn Mohammed Haydar Zammar hat alles, um als gefährlich zu gelten: Dreimal war er in den neunziger Jahren für viele Monate in Terrorlagern in Afghanistan, dort erlernte er den Umgang mit Sprengstoff - und er hat die Attentäter des 11. September in Hamburg rekrutiert.

Aber der 44-jährige Zammar lebt nicht in Deutschland. Im Oktober 2001, nach dem Anschlag auf New York, setzte er sich nach Marokko ab. Dort soll er verhaftet und dem CIA übergeben worden sein, der ihn wiederum nach Syrien auslieferte, in Zammars Heimatland. Seit Dezember 2001 ist er in Syrien, eingekerkert im Foltergefängnis Far Filastin in Damaskus, in einer unterirdischen Zelle ohne jedes Tageslicht.

Doch Zammar ist deutscher Staatsbürger, schon seit 1982. Er lebt mit Frau und sechs Kindern in Hamburg. Die deutsche Botschaft in Damaskus habe sich immer wieder um den Gefangenen bemüht, sagte Justizministerin Brigitte Zypries in dieser Woche. Aber die Syrer erkennen ihren Worten zufolge den deutschen Pass Zammars nicht an. "Für uns ist er Deutscher, für die Syrer ist er Syrer", sagte Zypries.

Murat Kurnaz

Seit bald vier Jahren sitzt der heute 23-Jährige auf Kuba, als Terrorverdächtiger in dem US-Gefangenenlager Guantanamo. Dort wird er sich wohl ab und zu überlegen, wie es weitergeht, wenn die Amerikaner ihn eines Tages freilassen sollten. Eine Militärmaschine würde ihn auf einem Luftwaffenstützpunkt in der Türkei absetzen, deren Staatsbürger er ist.

Seine Heimreise wäre damit aber nicht beendet, denn Kurnaz ist in Deutschland geboren und hat seitdem immer hier gelebt. Auch seine türkische Familie wohnt in Bremen.

Insofern ist Deutschland seine tatsächliche Heimat, die ihn allerdings nicht zurückhaben will: Die Stadt Bremen hatte ihm die Aufenthaltserlaubnis entzogen. Diese Entscheidung verwarf das Verwaltungsgericht der Hansestadt allerdings vor kurzem. Demnach darf Kurnaz innerhalb von drei Monaten nach Bremen zurückkehren, wenn er aus dem amerikanischen Lager auf Kuba entlassen werden sollte.

Kurnaz wurde im Herbst 2001 in Pakistan, wo er angeblich eine Koranschule besuchen wollte, wegen Terrorverdachts gefangen genommen. Seither harrt er in Guantanamo aus, ohne Anklage und lange Zeit ohne die Möglichkeit, überhaupt nur einen Anwalt zu sehen. Menschenrechtler berichten, dass Folterungen in diesem Gefangenenlager an der Tagesordnung sind.

Innenminister Wolfgang Schäuble teilte in dieser Woche mit, dass deutsche Sicherheitskräfte sowohl Kurnaz als auch Zammar an ihren Aufenthaltsorten vernommen hatten. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, vernahmen vor drei Jahren deutsche Geheimdienstler in Guantanamo ebenfalls den aus Mauretanien stammenden Ould Slahi, der lange in Duisburg gelebt hatte.