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Tathintergrund:Attentäter fühlte sich verfolgt

Tatort Bahnsteig: Gedenken an den Jungen, der vor den Zug gestoßen wurde.

(Foto: AP)

Habte A. war wegen Anzeichen von Paranoia in psychiatrischer Behandlung.

Der des Mordes verdächtigte 40 Jahre alte Mann, der am Montag einen achtjährigen Jungen und dessen Mutter auf dem Frankfurter Hauptbahnhof auf die Gleise gestürzt haben soll, litt nach einem Bericht des Schweizer Tagesanzeigers in jüngster Zeit unter Anzeichen von Paranoia. Der gebürtige Eritreer Habte A. war nach amtlichen Angaben in diesem Jahr in psychiatrischer Behandlung, er habe sich unter anderem von Zugpassagieren verfolgt und von Handystrahlen bedroht gefühlt, berichtet die Zeitung unter Berufung auf ärztliche Unterlagen und Berichte von Bekannten der Familie.

Der dreifache Vater mit Wohnsitz im Kanton Zürich war bis zum Jahreswechsel unauffällig und hatte einen festen Arbeitsplatz. Seit Januar 2019 war er krank geschrieben. Er soll laut Zeitungsbericht davon gesprochen haben, dass Fahrgäste und Arbeitskollegen seine Gedanken lesen könnten, heißt es in dem Blatt. Auch fürchte er, von Strahlen von Mobiltelefonen und elektromagnetischen Wellen beeinflusst und gesteuert zu werden. Ein Verwandter von Habte A. habe sich vor etwa einem Monat an einen Vertrauten gewandt und von paranoiden Episoden des mutmaßlichen Täters berichtet. Demnach fühlte A. sich verfolgt und glaubte, nicht mehr in der Schweiz leben zu können.

Über sein Motiv hat der Untersuchungshäftling noch keine Auskunft gegeben

A. sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft in Frankfurt. Über sein Motiv für die Tat hat er bislang keine Auskunft gegeben. Sein Geistes- und Seelenzustand soll alsbald geprüft werden. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt sagte, ein Gutachter sei bereits bestellt.

Die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Schweizer Privatklinik Clienia, die Schutzsuchende auch aus Eritrea behandelt, sagte der Züricher Tageszeitung, sie erlebe immer wieder Flüchtlinge, denen man selbst eine schwere psychische Erkrankung nicht auf den ersten Blick anmerke. Auch wenn sie gut integriert zu sein scheinen, lebten einige von ihnen sehr isoliert, insbesondere Eritreer hätten Scheu, über ihre psychischen Beschwerden zu sprechen und täten sich aus sprachlichen, aber auch kulturellen Gründen schwer, Medikamente überhaupt oder regelmäßig einzunehmen.

Die Attacke am Bahnhof, bei dem das achtjährige Kind getötet wurde, hat Menschen weit über Frankfurt hinaus aufgewühlt. Die Anteilnahme für die unmittelbaren Opfer ist groß. Bei einem Spendenaufruf zugunsten der Familie kamen nach Angaben der Organisatoren in den ersten beiden Tagen gut 30 000 Euro zusammen. Der Initiator, der Frankfurter Ingenieur Michael Kötter, hatte mit einer so hohen Summe gar nicht gerechnet.