Taser: Umstrittene Waffen Tödliche Elektroschocker

Amnesty schlägt Alarm: Durch den Einsatz von sogenannten Tasern sind in den USA in den vergangenen acht Jahren 334 Menschen gestorben. Die angeblich "nicht tödlichen Waffen" werden auch in Deutschland eingesetzt.

Nach dem Einsatz von Elektroschockwaffen sind in den USA nach Darstellung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) in den vergangenen acht Jahren 334 Personen ums Leben gekommen. Die Organisation kritisierte den Einsatz solcher Taser bei der US-Polizei scharf und warnte vor deren tödlichen Gefahren.

Ein Taser in der Hand eines britischen Polizisten.

(Foto: Foto: dpa)

Deswegen müsse der Einsatz der Geräte ausgesetzt oder auf lebensbedrohliche Situationen beschränkt werden. Amnesty-Rüstungsexperte Mathias John sah zudem ein hohes Missbrauchsrisiko, weil auf Knopfdruck fast ohne Spuren starke Schmerzen verursacht werden könnten.

In Deutschland können Taser in mehreren Bundesländern wie Bayern von Spezialeinsatzkommandos eingesetzt werden. Großbritannien baut den Einsatz dieser Waffen derzeit aus. Bei einem Taser werden ähnlich wie bei einer Pistole Elektroden an einer langen Schnur abgefeuert, die am Körper des Getroffenen haften bleiben. Über die Kabelverbindung wird dann der Strom übertragen.

Immer wieder bestürzende Fälle

Taser ist eine eingetragene Marke der gleichnamigen Firma mit Sitz in Scottsdale im US-Bundesstaat Arizona. Auch andere Anbieter stellen die Waffe her. Aus den Tasern werden kleine Projektile in das Fleisch des Opfers geschossen. Je nach Bauart jagen Stromstöße mit einer Spannung von bis zu 50.000 Volt durch die mit dem Taser verbundenen Drähte. Krampfhaft ziehen sich die Muskeln des Getroffenen zusammen, wodurch das sensorische und motorische Nervensystem kurz gelähmt werden soll.

Für Aufsehen sorgte ein Fall im kanadischen Vancouver. Ein offenbar verwirrter Mann wirft einen Tisch um, dann einen Computer. Polizisten nähern sich dem Mann und reden auf ihn ein. Schließlich schießen sie mit Taser auf ihn und kurze Zeit später stirbt der Mann. Der im Oktober 2007 aufgenommene und später im Internet veröffentlichte Film löste zum wiederholten Mal eine Debatte über den Einsatz der Elektroschockpistolen aus. Befürworter verweisen darauf, dass Taser eine Alternative zum Schusswaffeneinsatz darstelle. Die Firma Taser bestreitet vehement, dass der Einsatz der Waffe die Todesursache in Vancouver gewesen sein könnte.

Nach der nun veröffentlichten Darstellung von Amnesty International waren 90 Prozent der Menschen, die nach einem Taser-Einsatz in den USA starben, nicht bewaffnet und stellten keine unmittelbare Bedrohung dar. Die Opfer seien oftmals wiederholten und anhaltenden Elektroschocks ausgesetzt gewesen. In den meisten der untersuchten 334 Todesfälle hätten auch Faktoren wie Drogen eine Rolle gespielt. Die US-Polizei habe Taser aber auch gegen Kinder, schwangere Frauen und Menschen mit Altersdemenz eingesetzt.