Südafrika Regierung legt Anti-Aids-Programm auf

Nach jahrelangen Auseinandersetzungen hat die südafrikanische Regierung ein umfangreiches Programm zur Bekämpfung der Immunschwächekrankheit Aids verabschiedet. Es sieht eine flächendeckende Versorgung mit Aids-Medikamenten und ein dichtes Netz von Betreuungseinrichtungen vor.

(SZ vom 21.11. 2003) - Die Regierung stellt dafür in den nächsten drei Jahren umgerechnet 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung, davon allein 250 Millionen Euro für die kostenlose Verteilung der Medikamente.

In fünf Jahren am Ziel

Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang sagte in Kapstadt, jeder Bezirk in Südafrika werde innerhalb eines Jahres eine Ausgabestelle für Arzneimittel einrichten.

In spätestens fünf Jahren sollten die Medikamente in jeder Gemeinde erhältlich sein.

Selbst kritische Aktivisten, die seit Jahren die zögerliche Aids-Politik der Regierung anprangern, begrüßten die Entscheidung. "Ich habe vor Freude getanzt", sagte der wohl bekannteste Aids-Aktivist, Zackie Achmat.

Er ist selbst HIV-infiziert und weigert sich, Medikamente zu nehmen, solange die Regierung sie nicht allen Kranken zur Verfügung stellt, die sich eine Behandlung nicht leisten können.

Das jetzt verabschiedete Programm sei "ein enormer Sieg", sagte Achmat. In den nächsten anderthalb Jahren könnten so mindestens 200000 Menschen behandelt werden.

Die Medikamente können die Krankheit zwar nicht heilen, sie verhindern aber die Ausbreitung des Virus und damit das Ausbrechen akuter Krankheiten.

Auch der Aids-Beauftragte der Vereinten Nationen in Afrika, Stephen Lewis, begrüßte das nun verabschiedete Maßnahmenpaket. Viele Menschen seien "unnötig" gestorben, weil die Regierung nicht gehandelt habe.

Inzwischen sind schätzungsweise 5,3 Millionen Südafrikaner mit dem Virus infiziert, das sind mehr als 12 Prozent der Bevölkerung oder 20 Prozent der Erwachsenen. Nach Angaben der Anti-Aids-Kampagne TAC sterben täglich zwischen 600 und 1000 Südafrikaner an Aids.

Die Aktivisten gestehen ein, dass es "zweifellos eine schwierige Aufgabe" für die Regierung gewesen sei, ein umfassendes Programm zu entwickeln, das auch in den entlegensten ländlichen Gebieten anwendbar ist.

Verhandlungen mit den Pharmakonzernen hätten dazu geführt, dass die Medikamente in Südafrika billiger und für die Regierung finanzierbar geworden seien.

Die Gesundheitsministerin kündigte an, dass im Rahmen des Programms Tausende Gesundheitsexperten ausgebildet und eingestellt würden, um Patienten zu betreuen.

Zudem sei eine Aufklärungskampagne vorgesehen, die sowohl über den Umgang mit den Medikamenten als auch über Ansteckungsrisiken informieren solle.