Streit um "Bündnis für Erziehung" Juden und Muslime fühlen sich von Familienministerin Leyen ausgeschlossen

Ursula von der Leyen möchte christliche Werte wieder zum Fundament der Erziehung machen. Mit Vertretern der christlichen Kirchen trifft sie sich in Berlin zu einem "Bündnis für Erziehung" - Juden und Muslime sind ebenso wenig eingeladen wie Lehrer, Erzieher oder Eltern. Und auch die FDP ist sauer.

Ein breites "Bündnis für Erziehung" und Stärkung der elterlichen Verantwortung wollen Familienministerin Ursula von der Leyen, die beiden christlichen Kirchen sowie einige Wohlfahrtsverbände an diesem Donnerstag in Berlin schmieden.

Christliche Werteerziehung wünscht sich Ursula von der Leyen für Kinder in Deutschland (im Bild: eine Kinderkrippe in Erfurt).

(Foto: Foto: AP)

Das Bündnis soll nach Angaben der Ministerin Leitlinien für eine christliche Werteerziehung erarbeiten. Dazu gehörten auch Respekt vor anderen, Aufrichtigkeit und Verantwortung für Schwache. Damit soll die bereits bestehende "Allianz für die Familie" ergänzt werden, die auf eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ausgerichtet ist.

"Im höchsten Maße irritierend"

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnte unterdessen vor einem "Fehlstart" der an sich begrüßenswerten Debatte über die Wertevermittlung.

Es sei "im höchsten Maße irritierend", dass die Ministerin zum Auftakt ihres Bündnisses ausschließlich die christlichen Kirchen einlade, kritisierte GEW-Vorstandsmitglied Norbert Hocke.

Von der Leyen wolle "anscheinend in einem exklusiven Kreis mit den christlichen Kirchen festlegen, was wertvolle Erziehung ist". Gerade bei einem solch sensiblen Thema müsse es aber einen gemeinsamen Dialog aller gesellschaftlichen Akteure geben.

"Wem es mit Werteerziehung ernst ist, muss vor allem diejenigen einbeziehen, die deren Vermittlung zu verantworten haben: Eltern, Erzieher und Lehrer", sagte Hocke.

Protest von der FDP, Juden und Muslimen

Der Zentralrat der Juden in Deutschland und der Zentralrat der Muslime in Deutschland äußerten sich verärgert, dass sie nicht eingeladen wurden. Die aufgezählten Werte seien nicht exklusiv christlich.

Auch die FDP hat das Bündnis scharf kritisiert: Von der Leyens Forderung, christliche Werte wieder zum Fundament der Erziehung zu machen, sei "ein Affront gegen andere Religionen".

Auch werde die in der Verfassung garantierte Religionsfreiheit missachtet, sagte der FDP-Kirchenpolitiker Hans-Michael Goldmann. "Kirchen haben kein Monopol auf Werteerziehung. Kinder müssen zu mündigen Bürgern und aufgeklärten Menschen erzogen werden".

Landesbischöfin verteidigt von der Leyen

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hat sich gegen die Kritik nun verteidigt: "Wir haben jetzt einen ersten Schritt mit den beiden Kirchen gemacht, aber es ist ein Auftakt, und Andere sind eingeladen, sich diesem Bündnis anzuschließen", sagte von der Leyen im WDR.

Den Vorwurf, dies sei eine Einladung zweiter Klasse, wies sie zurück: Man wolle auf einer vorhandenen Struktur aufbauen, betonte die CDU-Politikerin.

Die beiden großen Kirchen hätten viel Erfahrung bei der Kindererziehung, sie stellten einen Großteil aller Kindergartenplätze. So erreiche man "viele, viele Eltern und Kinder".

Die Ministerin kündigte an, im Herbst mit der freien Wohlfahrtspflege und den Familienverbänden und auch mit der Wirtschaft einen weiteren Schritt zu gehen. Auch Vertreter anderer Religionsgemeinschaften seien eingeladen, an dem Bündnis teilzunehmen.

Von der Leyen betonte: "Es geht uns darum, dass wir eine wertebezogene Erziehung viel stärker in den Vordergrund stellen."

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat das "Bündnis für Erziehung" gegen Kritik verteidigt. Das Bündnis sei kein exklusiver Club, aber bisher gebe es schließlich kaum Kindertagesstätten anderer Religionsgemeinschaften.

Die Kirchen seien "ja keine Gruppe, die total am Rande steht, sondern wir haben in unseren Kindertagesstätten mehr als eine Million Kinder".