Stichwort Der Petersberg

An prominenten Namen und wichtigen Gästen ist in der jüngeren Geschichte des Petersbergs kein Mangel.

Das 1892 eröffnete Hotel dient schon seit 1955 der Bundesregierung als standesgemäße Herberge für Staatsgäste. Seit dem Umzug von Regierung und Parlament aus dem nahen Bonn ins ferne Berlin, sind diese Besuche allerdings seltener geworden.

Der Petersberg war schon oft Schauplatz wichtiger politischer Entscheidungen. Aber auch lustige Annekdoten ranken sich um ihn: So soll hier einst der sowjetische Staatschef Breschnew sein nagelneues Cabrio zu Schrott gefahren haben.

(Foto: )

Der Petersberg liegt im Naturschutzgebiet Siebengebirge, im Gemeindegebiet von Königswinter. Im 12. Jahrhundert fanden Eremiten eine Zuflucht auf dem Berg, der hunderte von Jahren Wallfahrtsort blieb. 1764 wurde eine dem Heiligen Petrus geweihte Kapelle errichtet, die heute noch zu besichtigen ist.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das 1911 in den Besitz der Kölner Parfüm-Dynastie Mühlens übergegangene und 1914 als Kurhotel neu eröffnete Gebäude von den Allierten beschlagnahmt und diente bis 1951 als Sitz der Allierten Hohen Kommission.

Dort rang Bundeskanzler Konrad Adenauer den Kommissaren der USA, Großbritanniens und Frankreichs das Petersberger Abkommen vom 22. November 1949 ab, mit dem die Besatzungsherrschaft über die Bundesrepublik Deutschland gelockert und die Demontage der Industrie gestoppt wurde.

1952 wurde das Hotel wiedereröffnet. Von 1955 bis zunächst 1969 sah es 31 offizielle Besuche von Kaisern, Königen und Präsidenten. Königin Elizabeth II. gehörte ebenso zu den Staatsgästen auf dem Petersberg wie Äthiopiens Kaiser Haile Selassie. Oder der Schah von Persien, Resa Pahlewi, und Kaiserin Soraya.

Kreml-Chef fuhr Mercedes schrottreif

1969 schloss das inzwischen veraltete Hotel. Für den sowjetischen Staats- und Parteichef Leonid Breschnew wurde es 1973 einige Tage lang noch einmal geöffnet. Breschnew brachte es fertig, so wird erzählt, sein Gastgeschenk, ein nagelneues Mercedes-Coupé, auf der damals noch schlecht ausgebauten Serpentinenstraße zum Hotel zu Schrott zu fahren.

1979 erwarb der Bund das Hotelgelände. Der geplante Umbau in ein modernes Gästehaus der Bundesregierung wuchs sich wegen der maroden Bausubstanz zum fünf Jahre dauernden, milliardenteuren Neubau aus, der dann mit der ursprünglichen Fassade verblendet wurde.

Zu den Gästen der späteren Jahre seit der Wiedereröffnung 1990 gehören der letzte sowjetische Parteichef Michail Gorbatschow, US-Präsident Bill Clinton, der russische Präsident Boris Jelzin, Japans Kaiser Akihito und der südafrikanische Präsident Nelson Mandela.

Schumachers Hochzeit

Mit dem Wegzug der Regierung nach Berlin wurde das Gästehaus als Fünf-Sterne-Hotel unter Leitung der Steigenberger-Kette auch für "normales", gut betuchtes Publikum geöffnet. 1996 nutzte Formel-Eins-Fahrer Michael Schumacher den Petersberg, um in der alten Kapelle abgeschirmt von der Öffentlichkeit seine Frau Corinna zu heiraten.

Vor allem am Wochenende lockt der bei schönem Wetter eindrucksvolle Blick über das Rheintal auch zahlreiche Ausflügler, die sich im Café mit großer Freiterasse stärken oder im Restaurant gepflegt dinieren können. Doch immer wieder dient der Petersberg auch für große offizielle Anlässe wie ein informelles Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs im Februar 1999.

(sueddeutsche.de/AP)