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Sri Lanka:Armee zeigt Bilder der Leiche des LTTE-Chefs

Die Tamilen-Rebellen dementieren den Tod ihres Anführers, das Militär kontert: Die Führung veröffentlicht Bilder des mutmaßlichen Leichnams.

Die Armee Sri Lankas hat am Dienstag Bilder der mutmaßlichen Leiche von Rebellenchef Velupillai Prabhakaran veröffentlicht. Sie konterte damit ein Dementi der Tamilen-Rebellen, die behauptet hatten, Prabakharan sei nicht tot.

"Unser Führer lebt" - das behaupten die Rebellen. Das srilankische Militär veröffentlichte hingegen Fotos, die den getöteten Tamilenanführer Prabhakaran zeigen sollen.

(Foto: Foto: Reuters)

Auf den Bildern war das Gesicht des in einer LTTE-Uniform gekleideten Anführers der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) deutlich erkennbar. An seinem Kopf war eine Wunde zu sehen. Die Armee präsentierte außerdem die LTTE-Kennmarke und einen Lichtbild-Ausweis Prabhakarans. Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse verkündete am Dienstag offiziell das Ende des fast 26-jährigen Bürgerkrieges auf der südasiatischen Insel.

Armeechef Sarath Fonseka sagte, die Leiche Prabhakarans sei identifiziert worden. Kurz zuvor hatte die LTTE dementiert, dass ihr Anführer am Montag getötet worden sei. "Unser geliebter Führer Velupillai Prabhakaran lebt und ist in Sicherheit", teilte LTTE-Sprecher S. Pathmanathan in einer am Dienstag im Internetdienst Tamilnet veröffentlichten Erklärung mit. "Er wird unser Streben nach Würde und Freiheit des tamilischen Volkes weiter anführen."

Das Verteidigungsministerium teilte mit, entgegen ersten Meldungen aus dem Militär sei Prabhakaran nicht bei der Flucht in einem Krankenwagen getötet worden. Ministeriumssprecher Keheliya Rambukwella sagte, der Rebellenführer sei bei einem Gefecht mit Soldaten erschossen worden. Er sei nicht bereits in Gefangenschaft gewesen, als er getötet worden sei. Die LTTE warf der Armee unterdessen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" vor.

Den Rebellen sei am Montag von Vertretern der internationalen Gemeinschaft mitgeteilt worden, es gebe Absprachen mit der Armee über ein geordnetes Ende des Krieges, hieß es in der Erklärung von LTTE-Sprecher S. Pathmanathan. Die beiden Anführer des politischen Flügels der Rebellen, B. Nadesan und S. Puleedevan, hätten unbewaffnet und weiße Flaggen tragend Kontakt zu den Truppen aufgenommen. Offiziere der 58. Division hätten die LTTE-Funktionäre zunächst aufgefordert, sich für Verhandlungen zu nähern. "Als sie dem nachkamen, wurden sie beide erschossen."

Präsident Rajapakse rief zur nationalen Einheit auf. "Ich spreche zum Parlament am Ende des Krieges gegen die Terroristen", sagte er. "Von jetzt an kommt die gesamte Nation unter die Herrschaft des Parlaments." Er räumte ein, der Krieg sei keine endgültige Lösung für den ethnischen Konflikt zwischen den Singhalesen und der tamilischen Minderheit. Seine Aufgabe werde nun sein, eine für alle Gruppen in Sri Lanka akzeptable politische Lösung zu finden. Rajapakse erwähnte den Tod Prabhakarans nicht.

Die Regierung rief die Öffentlichkeit dazu auf, am Dienstag die Nationalflagge zu hissen - "als Zeichen für den von den Sicherheitskräften erzielten Sieg über den Terrorismus und als Tribut an die heroischen Soldaten, die ihr Leben für die Nation geopfert haben". Der Mittwoch wurde zum Nationalfeiertag erklärt. In Colombo zündeten feiernde Menschen Feuerwerkskörper. Die Kämpfe waren am Montag beendet worden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon will sich am Freitag persönlich ein Bild von der humanitären Lage im Norden der Insel machen. In Lagern im Norden ist ein Großteil der rund 250.000 Flüchtlinge aus den zuletzt schwer umkämpften Gebieten untergebracht.

Der seit fast 26 Jahren andauernde Bürgerkrieg hat vermutlich mehr als 80.000 Menschen das Leben gekostet. Die Zahl der Toten bei den schweren Gefechten der vergangenen Monate ist unklar. Aus den Vereinten Nationen hatte es am vergangenen Freitag geheißen, mindestens 7000 Zivilisten seien nach konservativen Schätzungen alleine seit Ende Januar im Kreuzfeuer getötet worden.

Die Regierung verweigerte unabhängigen Beobachtern den Zugang zum Kriegsgebiet. Die LTTE kämpfte für einen eigenen Staat der tamilischen Minderheit und kontrollierte einst ein Viertel der südasiatischen Insel. In zahlreichen Ländern - auch in der EU - stand die LTTE auf der Liste der Terrororganisationen.

© dpa/gba
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