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Russisch:Weibliche Form nicht vorgesehen

Gendern / international

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(Foto: SZ-Grafik)

Von Zita Affentranger

Ist im Russischen von einer Frau die Rede, besteht daran linguistisch kein Zweifel: Ludmilla Putina heißt nicht wie ihr Ex-Mann. Auch der Mittelname wird dem Geschlecht angepasst: Ludmilla Alexandrowna wird sie angesprochen, das heißt, dass ihr Vater Alexander heißt. Ein Muttername ist nicht erlaubt, selbst wenn der Vater fehlt. Das Russische markiert auch vergangene Aktionen. Wenn das Ehepaar Putin sprach, heißt das für ihn skasal, für sie skasala und für beide zusammen skasali - letzteres ebenso, wenn die Töchter sprechen. Auch bei Substantiven ist man zur Debatte über einen geschlechterspezifischen Plural noch nicht vorgedrungen, hier gibt es in der Regel ein -i für alle. Selbst beim Singular hapert es: Wenn Ludmilla Ärztin wäre, würde sie sich wratsch nennen - Arzt. Man kann mit Suffixen wie -ka das Feminin markieren, doch hat das oft eine abwertende Bedeutung. Eine Frau würde deshalb wie Wladimir Putin einfach president heißen - falls es überhaupt einmal eine auf diesen Posten schaffen sollte.

© SZ vom 12.05.2021
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