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Ruanda-Tribunal:"Die Apokalypse vorbereitet"

Einer der mutmaßlichen Haupttäter sitzt seit Jahren in Haft, doch die Ankläger haben Probleme, ihm Völkermord nachzuweisen.

Von Arne Perras

Zur engeren Gruppe der Verschwörer, die den Genozid in Ruanda planten, zählten vermutlich ein bis zwei Dutzend Männer - Theoneste Bagosora war nach Ansicht seiner Ankläger einer der wichtigsten. Der 62-jährige frühere Armee-Offizier, der im Norden Ruandas aufwuchs, sitzt seit 1997 im tansanischen Arusha hinter Gittern, wo ihm vor dem Internationalen Ruanda-Tribunal der Prozess gemacht wird.

Bagosora hat sich für unschuldig erklärt. Nach den Erkenntnissen der Anklage war Bagosora schon Anfang der neunziger Jahre damit beschäftigt, "die Apokalypse vorzubereiten". Bagosora habe später im "Zentrum der Verschwörung" gestanden, die eine "volle oder teilweise Auslöschung der ethnischen Tutsi-Gruppe in Ruanda" zum Ziel gehabt habe. Er sei mitverantwortlich für die Bewaffnung der Milizen gewesen und habe auch die Hetzpropaganda gegen die Tutsi befördert.

Immer wieder drohte er mit der Auslöschung der Tutsi

Von Anfang an aber gab es im Fall Bagosora große Probleme bei der Beweiserhebung, und der Prozess ist bis heute nicht abgeschlossen. Der belgische Ruanda-Experte Filip Reyntjens ist zwar überzeugt, dass Bagosora "ein zentraler Akteur" im ruandischen Völkermord war.

Doch zugleich räumt Reyntjens ein, dass es juristisch sehr schwierig sei, ausreichende Beweise für Bagosoras persönliche Schuld vorzulegen. Schließlich liege es in der Natur von Verschwörungen, schriftliche Aufzeichnungen zu vermeiden und im Verdeckten zu agieren.

Zwar hat Bagosora im Vorfeld des Genozids immer wieder mit der Auslöschung der Tutsi in Ruanda gedroht. Aber später zählte der Mann nicht zu jenen, die "mit der Machete in der Hand Straßensperren errichteten", wie Reyntjens sagt.

Ein versteinertes Gesicht

Erst vor kurzem sagte in Arusha der Chef der damaligen UN-Friedensmission, Romeo Dallaire, als Zeuge aus. Für Dallaire war klar, dass Bagosora zu Beginn des Genozids "die Autorität" im Land übernommen hatte "und sie auch ausübte".

Mehrere Male habe er sich mit Bagosora während des Völkermords getroffen, und er sei verblüfft gewesen über Bagosoras versteinertes Gesicht. "Ich habe nie jemanden gesehen, der so ruhig geblieben ist, trotz der Situation", sagte Dallaire nach Berichten von Prozessbeobachtern in Arusha.

© SZ vom 7.4.2004
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