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Regierungskrise in Seoul:Hunderttausende protestieren gegen Südkoreas Präsidentin

South Korean protest against President Park Geun-Hye in Seoul

"Raus mit Park Geun-hye!", fordern Hunderttausende Menschen bei einer Demonstration in Seoul.

(Foto: dpa)
  • Hunderttausende Menschen fordern in Südkorea den Rücktritt von Regierungschefin Park Geun-hye.
  • Sie werfen der Präsidentin vor, eine Vertraute ohne offizielle Funktion an Regierungsgeschäften beteiligt zu haben.
  • Umfragen zufolge hat Park nur mehr die Unterstützung von fünf Prozent der südkoreanischen Wähler, die Ablehnung zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten.

Bei einer der größten Massenproteste in Südkorea in den vergangenen Jahrzehnten haben Hunderttausende Menschen in Seoul den Rücktritt von Präsidentin Park Geun-hye gefordert. Hintergrund ist unter anderem der Vorwurf gegen die konservative Staatschefin, einer langjährigen Freundin die Einmischung in Regierungsgeschäfte erlaubt zu haben. Choi Soon-sil, die in der koreanischen Presse im Zuge der Affäre "Präsidentin der Nacht" genannt wird, sitzt wegen Machtmissbrauchs in Untersuchungshaft.

Südkoreas Armee ist in Alarmbereitschaft, man befürchtet, Nordkorea könne die Krise ausnutzen. Auch die Notenbank ist bereit für Notmaßnahmen. Öffentliche Entschuldigungen von Park und ihre erklärte Bereitschaft, mit der Opposition im Parlament bei der Bildung eines neuen Kabinetts zusammenzuarbeiten, konnten die Stimmung nicht beruhigen. Im Parlament werden Rücktrittsforderungen laut. Konkrete Maßnahmen für ein Amtsenthebungsverfahren wurden allerdings noch nicht angestoßen. Park selbst verlässt wegen "Choi-Gate" ihren Amtssitz, das Blaue Haus, derzeit nicht und hat auch die Teilnahme am Apec-Gipfel abgesagt.

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Choi soll Millionen an Spendengeldern selbst kassiert haben

Im Zuge der Krise hat Park bereits mehrere ihrer engsten Berater verloren und zuletzt Ministerpräsident und Finanzminister ausgetauscht. Vor einer Woche stellte ein Gericht Haftbefehle gegen zwei ehemalige Berater der Staatschefin aus. Ihnen wird unter anderem versuchte Erpressung und die Weitergabe geheimer Informationen zur Last gelegt.

Choi ist die Tochter eines früheren Sektenführers und Förderers von Park. Bei den Ermittlungen geht es auch darum, ob Choi neben der Bearbeitung von Reden Parks Zugang zu Geheimdokumenten hatte. Ihr wird außerdem vorgeworfen, unter Ausnutzung ihrer Beziehung zu Park von Firmen wie Samsung Spendengelder für Stiftungen in Millionenhöhe abgepresst und selbst kassiert zu haben.

Nur noch fünf Prozent der Wähler unterstützen Park

Die Menschen versammelten sich am Samstag in der Nähe des Präsidentenpalastes in der Innenstadt von Seoul. Die Polizei sprach zum Beginn der Demonstration von 190 000 Teilnehmern, die Veranstalter gingen von mehr als 500 000 aus. Wie schon bei den Straßenprotesten an den beiden Samstagen davor hielten die Teilnehmer Plakate mit dem Aufruf: "Park Geun Hye, tritt zurück!". Nach Berichten des Rundfunksenders KBS waren auch Proteste gegen Park in mehr als 30 Städten in etwa zehn anderen Ländern geplant, darunter waren die USA und Deutschland.

Die Ablehnung Parks zieht sich inzwischen durch alle Bevölkerungsschichten. An der Demonstration in Seoul nahmen auch Familien mit Kindern teil sowie Schüler und Studenten. An vorangegangen Protesten hatten sich vor allem Aktivisten beteiligt, die sich oft gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei lieferten. Mittlerweile wird Park Umfragen zufolge nur noch von etwa fünf Prozent der Wähler unterstützt.

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