Putschversuch in Guinea:"Das ist ein Staatsstreich"

Nach dem versuchten Militärputsch in Guinea betonen Vertreter der zivilen Verwaltung, dass sie immer noch an der Macht sind - allenfalls Teile der Armee stützten die Aufständischen.

Einen Tag nach einem Putschversuch von Teilen des Militärs ist die Lage im westafrikanischen Guinea weiterhin unklar. Die Putschisten benannten eigenen Angaben zufolge eine Junta, die die Regierung ersetzen soll. Von den 32 Mitgliedern des Gremiums sind nur sechs Zivilisten.

Putschversuch in Guinea: Ministerpräsident Ahmed Tidiane Souare sagt, seine Regierung sei weiter im Amt.

Ministerpräsident Ahmed Tidiane Souare sagt, seine Regierung sei weiter im Amt.

(Foto: Foto: AFP)

Der Putschistenführer, Hauptmann Moussa Dadis Camara, steht der Junta vor. Camara hatte am Dienstag nur Stunden nach dem Tod des langjährigen Präsidenten Lansana Conté angekündigt, dass die Regierung abgesetzt und die Verfassung außer Kraft gesetzt seien.

Die zivile Verwaltung betont, sie regiere das Land weiter. Der Präsident der Nationalversammlung, Aboubacar Somparé, der nach der Verfassung der früheren französischen Kolonie Interimspräsident werden müsste, sagte, dass die Putschisten nicht das gesamte Militär repräsentierten.

Dringlichkeitssitzung der Afrikanischen Union

"Das ist ein versuchter Staatsstreich", sagte er einem französischen Fernsehsender. "Ich glaube nicht, dass die gesamte Armee hinter den Aufständischen steht. (...) Es ist eine Gruppe."

Ministerpräsident Ahmed Tidiane Souare sagte dem französischen Auslandsradiosender RFI, dass seine Regierung weiter im Amt sei und das auch während der Übergangszeit bis zur Wahl eines neuen Präsidenten bleiben werde.

Ein Militärsprecher sagte dem britischen Sender BBC, dass nur eine Minderheit in der Armee gegen den Coup sei. Es würden Diskussionen in einer Militärbasis in der Hauptstadt Conakry geführt, um Soldaten zum Wechsel der Seite zu bewegen.

Der Friedens- und Sicherheitsrat der Afrikanischen Union (AU) ist unterdessen zu einer Dringlichkeitssitzung zur Lage in Guinea zusammengekommen. Vor der Sitzung hinter verschlossenen Türen gedachten die Vertreter der AU-Mitgliedsstaaten in Addis Abeba dem verstorbenen guineischen Staatschef Conté.

Die Europäische Union, die Afrikanische Union und die Vereinten Nationen verurteilten den Putsch und riefen alle Parteien dazu auf, die Verfassung zu respektieren und einen friedlichen Wechsel an der Staatsspitze sicherzustellen.

Der verstorbene guineische Staatschef Conté soll am Freitag beerdigt werden. Conté solle in seinem Heimatdorf Lansanya im Norden der Hauptstadt Conakry beigesetzt werden, sagte ein Vertrauter der Angehörigen der Nachrichtenagentur AFP. Der langjährige Staatschef war in der Nacht zum Dienstag im Alter von 74 einer schweren Krankheit erlegen.

Conté war 1984 in einem unblutigen Putsch an die Macht gekommen und hatte das Land bis zu seinem Tod mit harter Hand regiert. In den vergangenen Jahren hatte es Unruhen und Streiks gegeben. Der Hintergrund waren gestiegene Kosten für Nahrungsmittel und Treibstoff.

Trotz reicher Bodenschätze gehört Guinea zu den ärmsten Ländern des Kontinents. Conté, der 24 Jahre an der Macht war, beutete das Land zusammen mit seinen Günstlingen systematisch aus; Misswirtschaft und Korruption sind verbreitet. Der Großteil der etwa zehn Millionen Einwohner profitiert nicht vom immensen Reichtum an Bodenschätzen.

© AFP/AP/dpa/gal/gba
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