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Proteste:Knüppel für Hongkong

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SZ Korrespondentin berichtet

Schwere Zusammenstöße bei Protesten in Hongkong

Trotz des Verbots einer Großdemonstration kam es in der Sonderverwaltungszone erneut zu Protesten gegen die Regierung.

Bei den Demonstrationen in der chinesischen Sonderverwaltungszone ist es erneut zu Ausschreitungen gekommen. Radikale Aktivisten schleuderten Brandsätze und Steine.

Nach schweren Zusammenstößen mit der Polizei in der Nacht haben sich in Hongkong am Sonntag Hunderte pro-demokratische Demonstranten vor dem Flughafen versammelt. Züge zum Flughafen wurden ausgesetzt. An der Haltestelle des Flughafenexpresses im Zentrum Hongkongs wurden noch am Abend Passagiere abgewiesen, die zum Flughafen fahren wollten. Zwischenzeitlich konnte der Flughafen nur noch mit dem Auto erreicht werden. Busse hielten weit vor dem Flughafengebäude, Passagiere mussten mit ihrem Gepäck zu Fuß bis zu den Terminals laufen. Polizeikräfte sicherten den Zugang in das Gebäude des Flughafens, der mit zu den größten in Asien zählt. Lediglich Passagiere mit gültigem Flugticket konnten das Gebäude betreten. Zwischenzeitlich schafften es auch einige Protestierende in den Flughafen, bevor die Polizei diese wieder aus dem Gebäude trieb. Durch die Demonstrationen verzögerten sich die Starts einiger Maschinen.

Die Gewalt in der chinesischen Sonderverwaltungszone erreichte am Wochenende ein neues Ausmaß. Am Freitag hatte der Konflikt erneut an Schärfe gewonnen, nachdem die Behörden mehrere Aktivisten und Abgeordnete des pro-demokratischen Lagers festnehmen ließ. Darunter war auch der bekannte Aktivist Joshua Wong, der inzwischen wieder auf Kaution entlassen wurde.

In den Videos ist zu erkennen, wie maskierte Polizisten Passagiere verprügeln

Am Samstag hatten sich zunächst Zehntausende Menschen trotz eines Demonstrationsverbots in der Innenstadt für einen Protestmarsch versammelt. Erst am Nachmittag schlugen die Demonstrationen in Gewalt um. Polizisten gingen mit Tränengas und Wasserwerfer gegen Teilnehmer einer Kundgebung vor dem Regierungssitz vor. Nachdem die Polizei die Protestierenden im Zentrum zurückgedrängt hatte, zogen diese in andere Stadtviertel weiter, wo es ebenfalls zu gewaltsamen Zusammenstößen kam. Einige der Demonstranten bewarfen die Polizisten mit Molotowcocktails und Steinen, die sie aus den Bürgersteigen brachen. Mindestens 41 Personen wurden verletzt, darunter fünf Männer schwer. Mehr als 60 Personen wurden festgenommen. Im Victoria Park gab die Polizei zwei Warnschüsse ab.

Am Sonntag blieben drei U-Bahn-Stationen wegen Schäden geschlossen. Am Tag zuvor war der Verkehr von fünf U-Bahn-Linien zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt komplett eingestellt worden. Die Debatte am Sonntag drehte sich aber vor allem um das Vorgehen der Polizei während der chaotischen Stunden. Aufnahmen zeigten Beamte beim Stürmen einer U-Bahn-Station. In den Videos ist zu erkennen, wie maskierte Polizisten Passagiere verprügeln und Tränengas in Waggons sprühen.

Demonstranten wollen den Flugbetrieb stören, um auf den Protest aufmerksam zu machen

Darin saßen viele Passagiere, die keine schwarzen T-Shirts trugen, wie normalerweise bei den Demonstrationen in den vergangenen Wochen üblich. Viele Passanten trugen im Gegensatz zu den Protestteilnehmern auf der Straße auch weder einen Mundschutz noch Gasmasken. Mehrere Passagiere wurden verletzt. Videos aus der Station und den Waggons wurden in den sozialen Medien tausendfach geteilt. Die Demonstranten fordern seit Wochen eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt.

Um die internationale Aufmerksamkeit auf die Protestbewegung zu lenken, hatten die Demonstranten bereits wiederholt versucht, den Flugbetrieb zu stören. Vergangenes Wochenende hatten die Behörden einen Gerichtsbeschluss erwirkt, der Proteste am Flughafen untersagte. Zuvor hatte der Flughafen wegen der Belagerung des Hauptterminals durch Demonstranten zeitweise den Betrieb einstellen müssen. In den vergangenen Wochen waren immer wieder mehrere Hunderttausend Menschen den Aufrufen zu den Protestmärschen gefolgt. Auslöser der Massenproteste vor über drei Monaten war ein umstrittenes Auslieferungsgesetz mit China. Das hat die Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam zwar auf Eis gelegt, den Demonstranten geht das aber nicht weit genug. Sie wollen eine komplette Rücknahme des Gesetzes sowie mehr demokratische Mitbestimmung in der Stadt.

Für Unruhe sorgten auch die Berichte der chinesischen Staatsmedien darüber, dass das Militär neue paramilitärische Kräfte nach Shenzhen an die Grenze zu Hongkong verlegt habe. In Videoaufnahmen, die von Bürgern stammen sollen, waren Militärwagen zu sehen, die am Samstagmorgen in der Grenzstadt einrollten. Details über Stärke und Zweck der Truppenverlegung wurden nicht genannt. Nach Angaben der chinesischen Staatszeitung Global Times soll es sich um Spezialkräfte und Personal der paramilitärischen Elitepolizei aus China handeln. Am Sonntag berichtete die Volkszeitung von Übungen der Truppen. Die Überschrift des Video lautete: "Bereit für den Kampf!"