Politiker des Jahres 2011 – Der Pirat

Bei den Etablierten wird sich inzwischen manch einer wünschen, die Jugend sei tatsächlich politikverdrossen. Ist sie aber nicht. Zumindest nicht der Teil, der die Piratenpartei unterstützt. Wie aus dem Nichts haben die Netzaktivisten bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin 8,9 Prozent erreicht. Bundesweit stehen sie in Umfragen bei bis zu neun Prozent.

Ein neuer Politiker-Typus ist geboren. Ein Pirat gibt zu, wenn er etwas nicht weiß. Und dann macht er sich schlau und twittert, bloggt, redet darüber. Er steht für den freien Zugang zum Netz ein, für Netzneutralität. Und für viele andere Dinge, die nicht mit "Netz" beginnen. Was ihm viele aber nicht recht glauben. Vor allem nicht die Konkurrenz.

Die steht nun noch mehr im Verdacht, viel zu reden, dabei aber nicht schlauer zu werden. Das gilt sogar für die Grünen, die lange für sich in Anspruch genommen haben, hip zu sein und die Jugend zu vertreten. Sie wollen nun aktiver werden, was die Netzpolitik betrifft. Die Union ebenso. Die SPD auch. Für den Moment haben die Piraten deshalb schon gewonnen. Bleibt abzuwarten, was der Politbetrieb aus den herrlich naiven, ehrlichen Piraten macht.

Bild: dapd 29. Dezember 2011, 11:042011-12-29 11:04:01 © sueddeutsche.de