Papst in Irland Gebete reichen nicht

Die katholische Kirche und der Klerus haben in Irland Schuld auf sich geladen. Die Menschen dort erwarten vom Papst mehr als nur Worte.

Von Kurt Kister

Bedeutendes hat die katholische Kirche in Irland zur Kultur Europas beigetragen; irische Priester und Mönche haben vor langer Zeit nicht nur als Missionare, sondern auch als Machtmenschen und Philosophen das Abendland mitgeprägt. Heute aber tut man sich sehr schwer, Gutes in Irlands Kirche zu sehen. Sexueller Missbrauch, Gewalt gegen Kinder, Zwangsadoptionen waren über mindestens Jahrzehnte hin so häufig, dass sie System hatten. Zu diesem System gehörten Vertuschung und Lügen bis in höchste klerikale Kreise.

Dies ist das Klima, in dem der Kurzbesuch von Papst Franziskus in Irland ablief. Auf der Insel findet nicht nur, wie überall in Europa, eine allmähliche Entchristlichung statt, sondern in Irland wird diese fortschreitende Säkularisierung von einem wegen des Missbrauch-Systems rapiden Vertrauensverlust in die organisierte Kirche begleitet.

Die Macht des Papstes liegt auch in der Macht seiner Worte. Für Irland hat Franziskus bisher nicht die richtigen Worte gefunden, jedenfalls nicht für jene vielen Opfer des Systems. Sein "wir sind schuldig" war nicht deutlich genug; sein Bekenntnis zu konkretem Handeln blieb aus. Beten und Demut gehören zum Glauben. Da wo der Glaube aber auch von Angehörigen der Kirche zerstört worden ist, reichen Gebete des Papstes nicht.