Nuklearwaffen:Pakistan gesteht Atomlieferungen an den Iran

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Lange Zeit hat Islamabad bestritten, Nuklartechnologie ins Nachbarland geliefert zu haben. Jetzt gab die Regierung erstmals zu, dass der frühere Chef des pakistanischen Atomwaffenprogramms illegale Geschäfte mit Iran unterhielt.

Informationsminister Sheikh Rashid Ahmed sagte über Abdul Qadeer Khan, den ehemaligen Leiter des Atomwaffenprogramms:"Ja, Khan hat das Zentrifugensystem an Iran geliefert."

Abdul Qadeer Khan - Volksheld und Spion

In den Niederlanden wegen Spionage verurteilt, in Pakistan als Volksheld verehrt - Abdul Qadeer Khan.

(Foto: Foto: AP)

"Vater der islamischen Atombombe"

Eine Befragung Khans durch ausländische oder internationale Ermittler schloss Ahmed erneut aus. Khan gilt als "Vater der islamischen Atombombe" und wird in Pakistan als Volksheld verehrt.

Die pakistanische Regierung hat stets bestritten, von den illegalen Geheimgeschäften Khans gewusst zu haben. Der frühere Chefentwickler des pakistanischen Atomwaffenprogramms hatte im Januar vergangenen Jahres die Verantwortung für illegale Lieferungen an Iran, Libyen und Nordkorea übernommen.

Wegen Verdiensten um die nationale Sicherheit war Khan daraufhin vom pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf begnadigt worden. Die USA hatten Pakistan zur restlosen Aufklärung des Skandals aufgefordert. Khan hatte mit seinem öffentlichen Geständnis Regierung und Armee entlastet.

Gestohlene Blaupausen

Die Armee hatte im fraglichen Zeitraum zwischen 1989 und 2000 die Kontrolle über Khans Atomforschungslabors. Der 1935 im indischen Bhopal geborene Wissenschaftler hatte die Labors bis 2001 geleitet und war dann zum wissenschaftlichen Berater der Regierung ernannt worden. Im Zuge des Skandals verlor er diese Posten.

Khan, der mit einer Niederländerin verheiratet ist, studierte in Karachi, West-Berlin und Delft bei Den Haag. 1970 begann er, bei einem Zulieferer des deutsch-britisch-niederländischen Zentrifugenbauers Urenco zu arbeiten.

Von Urenco soll Khan Blaupausen für Zentrifugen zur Urananreicherung gestohlen haben, bevor er sein Institut östlich von Islamabad gründete. In einem Spionageprozess verurteilte ein Amsterdamer Gericht den Wissenschaftler 1983 in Abwesenheit zu vier Jahren Haft. Das Urteil wurde aber nie rechtskräftig.

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