Neonazis sollen WASG unterwandern "Viele von denen denken so wie wir"

Der NPD-Funktionär Thomas Wulff hat in einem Internet-Aufruf alle "Nationalen Sozialisten" dazu aufgefordert, in die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit einzutreten. In der WASG gehen die Meinungen auseinander, wie ernst das zu nehmen ist.

Der in der Neonazi-Szene einflussreiche NPD-Funktionär Thomas Wulff forderte in dem Aufruf alle "Nationalen Sozialisten" dazu auf, in die WASG einzutreten. "Mit der WASG sind einer nationalen Oppositionsarbeit weitere Tore geöffnet worden", heißt es nach Angaben der Berliner Zeitung in der Erklärung, die auf der Internetseite des Sozialen und Nationalen Bündnisses Vorpommerns veröffentlicht wurde.

Die Äußerung des WASG-Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine über "Fremdarbeiter" sei ein Beispiel dafür, dass die WASG-Basis "keineswegs antinational eingeschränkt (ist) in ihrem Denken und Fordern", schreibt Wulff. "Geht jetzt noch stärker rein in diese WASG-Gruppen. Ihr werdet merken, viele von denen denken so wie wir."

Lafontaine hatte in der vergangenen Woche mit einer Äußerung über "Fremdarbeiter" scharfe Kritik bei SPD und Grünen ausgelöst. Auf einer Kundgebung in Chemnitz hatte er gesagt: "Der Staat ist verpflichtet, seine Bürger und Bürgerinnen zu schützen, er ist verpflichtet, zu verhindern, dass Familienväter und Frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen." Von der NPD kam daraufhin Lob für den ehemaligen SPD-Chef.

WASG-Sprecher Murat Cakir bezeichnete es als "völligen Unsinn", dass Neonazis die Partei unterwandern könnten. Er berichtete allerdings von zwei Fällen, wo Rechte versucht hätten, in die Wahlalternative einzutreten. In einem Fall habe der Verdacht auf eine Mitgliedschaft in der NPD bestanden, daraufhin sei der Betreffende entgegen seiner Absicht nicht in die Partei aufgenommen worden.

"Da sind sie bei uns an der falschen Adresse"

Ein Anderer sei wieder aus der WASG ausgetreten, nachdem er durch fremdenfeindliche Äußerungen aufgefallen sei. Cakir verwies darauf, dass die NPD schon im vergangenen Jahr bestrebt gewesen sei, die Anti-Hartz-Proteste für sich zu nutzen. "Die versuchen, diese gesellschaftliche Dynamik für sich zu nutzen. Aber da sind sie bei uns an der falschen Adresse."

Dagegen warnte der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern der WASG vor einer Unterwanderung der Linkspartei durch Rechtsextremisten. Das Landesvorstandsmitglied Karsten Dörre verurteilte am Freitag in einer Erklärung einen entsprechenden Aufruf eines rechtsextremen Bündnisses.

Dörre versicherte, die WASG erkenne das Grundgesetz an. Sie werde sich "vor rechtsextremistischem Gedankengut mit allen demokratischen Mitteln schützen". Dies habe sie auch auf ihrem Landesparteitag am vergangenen Wochenende deutlich gemacht.