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Nach Interview mit Horst Mahler:"Dafür soll 'Vanity Fair' büßen"

Der Publizist Arno Lustiger hat das Magazin angezeigt - weil es ein umstrittenes Interview mit dem Rechtsextremisten Horst Mahler veröffentlicht hat. In dem von Michel Friedman geführten Interview werde mehrfach der Holocaust geleugnet, heißt es in der Anzeige.

Nach dem umstrittenen Interview mit dem Rechtsextremisten Horst Mahler hat der Publizist Arno Lustiger das Magazin Vanity Fair angezeigt. In dem von Michel Friedman geführten Interview werde mehrfach der Holocaust geleugnet, heißt es in der Anzeige. Mahler hatte das Interview mit "Heil Hitler, Herr Friedman" begonnen und Nazi-Gedankengut vertreten. Nach dem Interview hatte Friedman Mahler wegen Volksverhetzung angezeigt.

Der Publizist Arno Lustiger hat das Magazin "Vanity Fair" angezeigt

(Foto: Foto: dpa)

Mahler und Friedman seien ihm "völlig egal", dass die Zeitschrift das Ganze aber auch noch als "Skandal" auf den Titel hebe, "dafür soll sie büßen", sagte Lustiger. Der Historiker, ein Überlebender des KZ Auschwitz, stellte die Anzeige gegen den Chefredakteur Ulf Poschardt und den Herausgeber Bernd Runge. Das Schreiben bezieht sich auf den Paragraphen 130 des Strafgesetzbuches (Volksverhetzung).

Karl Freller, stellvertretender Vorsitzender der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, kritisierte die Veröffentlichung ebenfalls. Das Interview zeige, "dass die gewissenlosen Verbrechens-Verharmloser immer selbstbewusster werden."

Das Magazin müsse sich fragen lassen, ob die skandalträchtigen Schlagzeilen den vermutlichen Schaden an der demokratischen Kultur wert seien, sagte der gelernte Journalist Freller: Bisher habe in der deutschen Presse ein wohlbegründetes Einvernehmen darüber geherrscht, Neonazis keine Plattform zu bieten. "Diesen Konsens der demokratischen und freien Presse hat Vanity Fair aus kommerziellem Kalkül verlassen", so Freller.

Von Poschardt gab es am Donnerstag zu der Anzeige keine Stellungnahme. In einem Editorial verteidigte er allerdings das Interview. "In einer Zeit, in der rechtes Gedankengut auch bürgerliche Schichten erreicht, muss die Auseinandersetzung mit den Feinden der Demokratie mit Mitteln der Aufklärung geschehen", schrieb er. "Meinungsfreiheit ist dafür unverzichtbar."

Auf die Frage "Soll man so ein Interview veröffentlichen?" antwortete das Magazin in einer offiziellen Stellungnahme: "Man muss es drucken. Unser Interview zeigt, wie wenig Wahrheit der rechte Wahn enthält, selbst bei einem angeblichen Intellektuellen wie Mahler. Wir veröffentlichen dieses Interview, weil wir glauben, dass es eine bessere Bloßstellung der deutschen Rechtsextremen nie gegeben hat, ­auch, wenn Mahler darin Dinge sagt, die in Deutschland verboten sind: Er leugnet den Holocaust und benutzt den Hitler-Gruß."