Nach Flugzeugentführung Schweizer Luftwaffe soll bald rund um die Uhr einsatzbereit sein

Das äthiopische Flugzeug, das Anfang der Woche nach Genf entführt wurde, konnten nur die Franzosen zur Landung bewegen. Die Schweizer Luftwaffe war so früh am Morgen noch nicht einsatzbereit. Das soll sich jetzt ändern, wenn es nach dem Verteidigungsminister geht.

Als der äthiopische Flugzeugentführer die Passagiermaschine am vergangenen Montag um 5:30 Uhr auf Genf zusteuerte, war die Schweizer Luftwaffe noch nicht einsatzbereit. So wurde die Maschine der Ethiopian Airlines, die vom Co-Piloten bereits kurz nach dem Start in Addis Abeba entführt worden war, erst von italienischen Kampfjets abgefangen und später von französischen Militärjets bis zur Landung auf dem Genfer Flughafen eskortiert.

Wohlgemerkt nicht von der Schweizer Luftwaffe. Die eidgenössischen Militärpiloten hätten um diese Uhrzeit "wohl noch im Bett gelegen", kommentierte die Schweizer Zeitung Blick süffisant. Ein Sprecher der Luftwaffe sagte nach dem Vorfall, dass die Schweizer Luftwaffe grundsätzlich nur zu Bürozeiten einsatzbereit sei, die Militärflieger stünden erst von 8:00 Uhr an zur Verfügung.

Die zeitlich begrenzte Flugbereitschaft der Schweizer Luftwaffe war weltweit belächelt und verspöttelt worden. Der Schweizer Verteidigungsminister Ueli Maurer wehrt sich nun öffentlich: "Die Franzosen hätten auch im Normalfall das Flugzeug für die letzten zwei, drei Kilometer begleitet. Es hätte keinen Sinn gemacht, das noch zu übergeben", sagte Maurer. Trotzdem: Maurer möchte nun eine Luftpolizei, die rund um die Uhr einsatzbereit ist.

Bereitschaftsgrad von 15 Minuten

Das Projekt habe seit vergangenem Herbst Priorität im Verteidigungsdepartement, heißt es. Bis 2020 solle die Schweizer Luftwaffe 24 Stunden täglich einsatzbereit sein, so wird Mauer im Schweizer Fernsehen zitiert. "Wir gehen davon aus, dass wir mit einem Bereitschaftsgrad von 15 Minuten arbeiten werden", sagte Maurer, "Das heißt: Das Flugzeug steht in der Halle, die Instrumente sind in Betrieb, die Waffen sind an diesem Flugzeug angehängt. Und der Pilot schläft daneben und kann dann innerhalb von längstens 15 Minuten starten." Doch Maurers Vorhaben kostet Geld, viel Geld. Außerdem sei es nicht leicht, geeignete Piloten für den 24-Stunden-Einsatz zu finden.

Ingesamt brauche es zur Realisierung des Projekts 100 zusätzliche Stellen und mehr als 30 Millionen Franken (knapp 25 Millionen Euro). Doch wie das Schweizer Fernsehen auf seiner Onlineseite schreibt, sind selbst mit einer ständig einsatzfähigen Luftpolizei nicht alle Probleme gelöst. Für den Abschuss von zivilen Flugzeugen in nicht gesperrten Lufträumen gibt es bisher in der Schweiz keine rechtliche Grundlage.

"Hätte man jetzt ein solches entführtes Flugzeug abgeschossen, hätte man es landen lassen, oder was macht man?" Das sind die Fragen, die Verteididungsminister Maurer sich angesichts des aktuellen Vorfalls stellt. Und es wirkt nicht so, als hätte er eine schnelle Antwort darauf.