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Mittelmeer:Medaille für Carola Rackete

Sea Watch's captain Carola Rackete receives Catalan parliament award from Catalonia's Parliament President Roger Torrent
(Foto: Albert Gea/Reuters)

Das katalanische Regionalparlament in Barcelona hat Carola Rackete, Kapitänin des Rettungsschiffs Sea Watch 3, und Òscar Camps, dem Gründer der spanischen Hilfsorganisation Proactiva Open Arms, für ihren Einsatz zur Rettung von Migranten aus dem Mittelmeer Ehrenmedaillen verliehen. Die Laudatio hielt der Fußballtrainer Pep Guardiola, der als eine Galionsfigur der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung gilt. Die Ehrung fand am Vorabend der alljährlichen Großkundgebung zur Diada statt, des katalanischen Nationalfeiertages, auf der mehrere Hunderttausend Demonstranten die Unabhängigkeit ihrer Heimatregion sowie die Freilassung der inhaftierten Separatistenführer forderten. Guardiola, der frühere Trainer des FC Bayern, derzeit bei Manchester City, sagte: "Eine Welt, die nicht rettet, ist eine Welt, die untergeht, in der die Gesellschaften ertrinken." Scharfe Kritik richtete er an die Regierung in Madrid, da diese den Rettern ihr Handwerk systematisch erschwere. Der sozialistische Premierminister Pedro Sánchez hatte unmittelbar nach seinem Amtsantritt im Juni 2018 noch erklärt, dass Flüchtlinge willkommen seien. Eine Regierungsdelegation aus Madrid begrüßte Tage später das Flüchtlingsschiff Aquarius in Valencia. Schon zwei Wochen später machte Sánchez eine Kehrtwende, nur in wenigen Fällen durften seither Schiffe von Hilfsorganisation, Migranten nach Spanien bringen. Rackete verlangte "konkrete Akte der Solidarität" von den Regierungen der EU-Staaten. Es müssten legale Einwanderungswege geschaffen werden. Sie war trotz eines Verbots der italienischen Behörden mit 40 Migranten an Bord Ende Juni Lampedusa angelaufen. Sie verbrachte drei Tage in Untersuchungshaft, das Schiff wurde beschlagnahmt. Spanische Medien warfen ihr und Camps vor, sich von katalanischen Separatisten für ihre "Unabhängigkeitspropaganda" einspannen zu lassen.