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Meine Presseschau:"Die Zukunft ist nicht deutsch"

Javier Cáceres ist Fußballkorrespondent der SZ mit Sitz in Berlin.

Kurios: Mitten im Brexit-Chaos triumphiert Englands Fußball - dank Hilfe aus Rest-Europa.

Brexit? "Brexin", schrieb die italienische Zeitung Corriere dello Sport, als sie protokollierte, was am Mittwoch in München geschah: Die Briten bleiben drin! Der FC Bayern schied gegen den FC Liverpool in der Champions League aus, das bedeutete: England brachte alle vier Starter unter die letzten acht des edelsten Fußballwettbewerbs Europas; nach Tottenham, Manchester United und Manchester City eben auch Liverpool.

Das ist ein Erfolg, wie ihn England seit zehn Jahren nicht mehr verbuchte, und der im Kontrast steht zur Bilanz der Deutschen. Von denen erreichte erstmals seit 2006 kein Verein das Viertelfinale. Erst die "historische Katastrophe" der Germanen bei der Weltmeisterschaft 2018, nun "das Verschwinden aller Klubs im Achtelfinale der Champions", stutzte die Gazzetta dello Sport: Im "neuen Europa" sei kein Platz mehr für die EU-Führungsmacht, wohl auf Jahre hin. "Die Zukunft ist nicht deutsch", schreibt das Mailänder Blatt.

Die Gründe? Wer es sich "einfach machen möchte, der könnte antworten: Geld!", ätzte die Neue Zürcher Zeitung. Doch die Bayern hätten gar nicht weniger Mittel zur Verfügung als die Engländer mit ihren exorbitanten TV-Einnahmen und den Geldern exotischer Gönner aus Arabien, Russland, USA. Es stelle sich vielmehr die Frage, so schreibt die NZZ, "ob eine bayrische Monokultur in der Bundesliga der Wettbewerbsfähigkeit auf internationaler Ebene zuträglich ist".

In Spanien feixte die Zeitung El País, dass "ausgerechnet im Jahr des Brexit", der auch einwanderungsfeindlich motiviert ist, die "unenglischste Premier League aller Zeiten" den Kontinent besetze. Laut Statistik haben nie so wenige englische Profis in der Premier League gespielt wie zurzeit; und die Trainer sind Importware, vom Katalanen Josep Guardiola (Manchester City) bis zum Schwaben Jürgen Klopp (Liverpool). Sie haben volkstümliche englische Trainer abgelöst, die ihre Medien "mit alten Methoden und spaßigen Stereotypen" erfreuten, wie die spanische Zeitung As leitartikelte.

Nun also die Wachablösung. Und sie bedeutet unter anderem: Der famose Spruch des früheren englischen Nationalspielers Gary Lineker, wonach beim Fußball 22 Männer den Ball jagen und am Ende immer die Deutschen siegen, "bewahrheitet sich nicht", schrieb El País.