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Marokko:Hunderte Flüchtlinge stürmen spanische Exklave Melilla

Stacheldraht-Barriere zwischen Grenzzäunen in Melilla

Stacheldrahtzäune trennen Marokko und die spanische Exklave Melilla. Immer wieder versuchen hier Flüchtlinge, spanisches Gebiet zu erreichen.

(Foto: dpa/dpaweb)

Hoffnung auf ein besseres Leben: Mit einem Massenansturm auf einen Grenzzaun in Marokko haben Hunderte afrikanische Flüchtlinge versucht, in die spanische Exklave Melilla zu gelangen - und damit auf EU-Territorium. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Monatelang campieren Scharen afrikanischer Flüchtlinge in Marokko vor einer kleinen Stadt. Sie ist nur wenige Quadratkilometer groß, eingezäunt und schwer bewacht - und trotzem die große Hoffnung dieser Menschen. Hinter Stacheldrahtzaun und Grenzposten befindet sich im Norden Marokkos die spanische Exklave Melilla, ein Fleckchen Europäische Union auf dem afrikanischen Kontinent.

Etwa 500 dieser Flüchtlinge haben nun von Marokko aus versucht, den Grenzzaun nach Melilla zu überwinden. Zwei Gruppen seien am frühen Dienstagmorgen etwa zur gleichen Zeit auf den Grenzzaun losgestürmt, sagte eine Sprecherin der spanischen Regierung. Die Afrikaner hätten marokkanische und spanische Polizisten mit Steinen beworfen. Etwa 100 seien auf spanisches Territorium gelangt, elf Flüchtlinge sollen bei der Aktion verletzt worden sein.

Den spanischen Behörden in Melilla zufolge griff die Polizei 95 der Flüchtlinge auf, darunter elf, die eigenen Angaben nach minderjährig sind. Das marokkanische Innenministerium teilte seinerseits mit, 30 Flüchtlinge seien bei dem Sturm auf den Zaun auf marokkanischer Seite verletzt und zur Behandlung ins nahegelegene Nador gebracht worden.

Die spanischen Exklaven Melilla und Ceuta haben die einzigen Landgrenzen zwischen Afrika und der Europäischen Union. Marokko beansprucht das Territorium für sich und betrachtet Spanien als Besatzungsmacht. Seit der Verschärfung der Kontrollen rund um die Kanarischen Inseln und den politischen Umbrüchen in Tunesien, Libyen und Ägypten hat die Zahl der Flüchtlinge deutlich zugenommen, die in die Exklaven zu gelangen versuchen.

Im März hatte es bei einem Sturm auf Melilla 25 Verletzte gegeben. Nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation war ein Migrant aus Kamerun später seinen Verletzungen erlegen. In Melilla und der westlich gelegenen Exklave Ceuta hatten in den vergangenen Jahren immer wieder Flüchtlinge versucht, spanisches Gebiet zu erreichen.

Im Jahr 2005 ließ Spanien die Grenzanlagen verstärken. Viele der Flüchtlinge warten oft monatelang auf eine Chance zur Überwindung der Grenze. Aktivisten kritisieren seit Jahren Misshandlungen der Flüchtlinge durch die Polizei auf beiden Seiten.

© Süddeutsche.de/AFP/dpa/dayk/kjan
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