Marokko:Der König plant die Abschaffung der Vielehe

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Für die Frau ein Recht auf Scheidung, für die Männer ein Verbot der Vielehe - die Familienrechtsreform, die Marokkos König MohammedVI. in dem muslimischen Land durchsetzen will, kommt beinahe einer Revolution gleich.

Der 40 Jahre alte Monarch hat vom Parlament am vergangenen Wochenende einen Großteil dessen eingefordert, was Marokkos Frauenverbände seit Jahrzehnten verlangen.

Nach den Reformplänen des Königs wird die Polygamie künftig nur noch in Einzelfällen zugelassen. Diese Ausnahmen muss ein Richter ausdrücklich genehmigen. Das soll er nach Meinung des Monarchen nur in Fällen "höherer Gewalt" dürfen: Zum Beispiel, wenn die Gattin des Antragstellers keine Kinder bekommen kann. Die erste Ehefrau bekommt dann das Recht, sich scheiden zu lassen.

Wichtig ist nach Ansicht von Frauenorganisationen auch, dass Mohammed VI. das Mindestalter für die Heirat für beide Geschlechter auf 18 Jahre heraufsetzen lassen will. Bisher konnten Mädchen in dem nordafrikanischen Staat schon mit 15 Jahren verheiratet werden.

Zwar hätten es viele marokkanische Frauenrechtlerinnen gern gesehen, wenn die Mehrehe ganz abgeschafft worden wäre. Doch an dieser Frage, die von den Fundamentalisten im Land schon oft hochgespielt worden war, wollten sie das Reformprojekt nicht scheitern sehen. Der Islam erlaubt dem Mann bis zu vier Ehefrauen gleichzeitig, wenn er keine bevorzugt und alle gleich behandelt. Tatsächlich haben nur wenige Marokkaner mehrere Ehefrauen. Für die Traditionalisten ist die Polygamie aber Grundelement einer islamischen Gesellschaft.

König beruft sich auf den Islam

Wegen dieser und anderer heikler Fragen war über die Reform des Familienrechts in Marokko seit Jahren heftig gestritten worden. Es bedurfte offenbar der Autorität des Monarchen, um die Verbesserungen für die Frauen durchzusetzen. Die Ehereform lag seit Jahren auf Eis, weil die Regierung es nicht auf eine Kraftprobe mit den Islamisten ankommen lassen wollte. Denn diese hatten in Marokko in letzter Zeit enormen Zulauf: Die eher gemäßigt-islamistische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD) stieg zur stärksten Oppositionspartei auf.

Der König beruft sich bei der Reform auf den Islam. "Gott hat die Vielehe vom islamisch-rechtlichen Standpunkt aus fast unmöglich gemacht", betont der König. Denn es sei für einen Mann kaum möglich, mehrere Ehegattinnen gleichberechtigt zu behandeln.

Viele Araber sind überrascht, dass nun ausgerechnet Marokko zu den in Sachen Frauenrechte fortschrittlichen Ländern der Region aufrückt. Schließlich können mehr als die Hälfte der Marokkanerinnen weder lesen noch schreiben. Die von den Regierungen gelenkte Presse in den meisten arabischen Staaten berichtete denn auch kaum über den Vorstoß MohammedsVI. - vielleicht um der Forderung nach ähnlichen Reformen im eigenen Land keine Nahrung zu geben.

Als Nummer Eins bei den Frauenrechten gilt unter den arabischen Ländern Tunesien. Es hat die Polygamie schon vor langer Zeit abgeschafft und der Frau auch bei der Scheidung weit gehende Sorge- und Unterhaltsrechte eingeräumt. Das Schlusslicht ist Saudi-Arabien, wo Ehefrauen selbst für viele einfache Erledigungen die Erlaubnis ihres Mannes benötigen. Dort dürfen sie noch nicht einmal ein Auto fahren.

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