Maria 2.0 Notwendige Irritation

Der Zorn der katholischen Frauen ist angebracht.

Von Matthias Drobinski

Fast nichts verunsichert Männer mehr, als wenn Frauen sich ihnen verweigern. Der griechische Satiriker Aristophanes wusste das und schuf einst Lysistrata, die "Auflöserin der Heere": Sie und ihre Mitstreiterinnen verweigerten ihren Männern so lange den Sex, bis diese den Peloponnesischen Krieg beendeten.

In dieser Tradition stehen die katholischen Frauen von "Maria 2.0": Sie verweigern sich, harmloser als Lysistrata, eine Woche lang dem Kirchenbetrieb. Ihr Zorn ist angebracht und angemessen. Wie einst die Krieger aus Sparta und Athen haben sich die Kleriker an der Spitze der katholischen Kirche hoffnungslos verrannt: Die Argumente dafür, warum Frauen kultunfähig seien und darum kein Weiheamt innehaben könnten, sind theologisch fadenscheinig und fern von Jesus, der die Frauen achtete, dass Theologen seiner Zeit die Spucke wegblieb. In einer Gesellschaft, die sich der Gleichberechtigung von Frauen endlich nähert, sind die Verbote lebensfern, gar lebensfeindlich.

Bei Aristophanes löste eine einzige Frau den Weiberaufstand aus; heute sind es fünf aus Münster, die ohne jede Strategie einen Frühlingssturm in ihrer Kirche entfacht und verunsicherte Kleriker gegen sich aufgebracht haben. Gut so. Und: Es bräuchte noch viel mehr Irritation.