Libyen:Gaddafi zahlt Entschädigung für Anschlag von 1989

Lesezeit: 2 min

Bei dem Bombenanschlag auf ein französisches Flugzeug starben 170 Menschen. Ihre Hinterbliebenen sollen nun 170 Millionen Dollar von der Gaddafi-Stiftung erhalten. Mit der Zahlung versucht Libyen, in die die internationale Staatengemeinschaft zurückzukehren.

Von Gerd Kröncke

Paris - Vertreter einer libyschen Wohlfahrtsorganisation haben am Freitag in Paris eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach die Angehörigen der Opfer eines Anschlags auf ein Flugzeug über dem afrikanischen Staat Niger im Jahr 1989 finanzielle Entschädigungen erhalten sollen. Zwar handelt es sich dabei formal um eine private Vereinbarung, doch steht dahinter der libysche Staatschef Muammar el Gaddafi, der sein Land als normales Mitglied in die Staatengemeinschaft zurückführen will.

Vor sechs Monaten hatte es bereits eine grundsätzliche Einigung über die Entschädigung für die Hinterbliebenen der Opfer gegeben, die 1988 bei dem Terroranschlag auf eine amerikanische PanAm-Maschine über Lockerbie umgekommen sind. Außerdem hat sich Gaddafi bereit erklärt, auf Massenvernichtungswaffen zu verzichten und Atom-Inspektoren in sein Land zu lassen.

Bei dem Bombenanschlag im Dezember 1989 war eine DC-10 der französischen Fluggesellschaft UTA in der Luft explodiert. Alle 170 Menschen an Bord sind bei dem Absturz in Niger ums Leben gekommen. Für die Tat wurde Libyen verantwortlich gemacht. Vier Libyer sind bereits von französischen Gerichten in Abwesenheit verurteilt worden.

Obwohl sich Staatschef Gaddafi nie direkt zu dem Anschlag bekannt und er jede Verwicklung bestritten hatte, war es nach langwierigen Verhandlungen doch noch gelungen, einen Modus zu finden. Danach ist vorgesehen, dass eine libysche Wohltätigkeitsorganisation namens Gaddafi-Stiftung 170 Millionen Dollar an die Organisation der Hinterbliebenen zahlt.

Nach einem Urteil eines Pariser Gerichts hatte die libysche Seite vor fünf Jahren bereits 15 Millionen Dollar zugestanden. Nun steht es jedem der Angehörigen frei, die endgültige Vereinbarung zu akzeptieren. Damit - dies ist die Geschäftsgrundlage - müssten sie auf alle weiteren Ansprüche gegen den libyschen Staat verzichten.

Hinterbliebenen-Sprecher: Libyen hat sich geändert

"Die Übereinkunft zeigt, dass sich Libyen schon geändert hat", betonte Guillaume Denoix de Saint-Marc, der Sprecher der Hinterbliebenen. Er hatte bei dem Attentat seinen Vater verloren. Nach der Unterzeichnung sagte Denoix, die Vereinbarung sei das Ende eines langen schmerzlichen Weges. "Das Geld bringt niemanden zurück, aber wir haben unsere Würde wieder und können mit der Trauerarbeit beginnen."

Allerdings waren nur 54 der Opfer Franzosen, die anderen kamen aus mehr als einem Dutzend Länder. Besonders die Amerikaner könnten jetzt versucht sein, vor US-Gerichten höhere Entschädigungen zu erstreiten. Ursprünglich hatten die Verhandlungsführer der Hinterbliebenen-Organisation eine ähnliche Regelung wie für die Lockerbie-Geschädigten angestrebt. Für jede Familie der in Lockerbie Umgekommenen hatte Libyen zehn Millionen Dollar bewilligt. Allerdings scheint sich die Abwicklung dieser Vereinbarung noch lange hinzuziehen.

Außer den Vertretern der libyschen Stiftung, zu denen ein Sohn Gaddafis gehörte, hielt sich am Freitag auch der libysche Außenminister Abdelrahman Schalgam in Paris auf. Er wurde vom Präsidenten Jacques Chirac und von Außenminister Dominique de Villepin empfangen.

Zur SZ-Startseite