Lettland führt den Euro ein:"Danke, kleiner Lats"

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Latvia Economy And Finance As Baltic Nation Prepares To Adopt The Euro

Schilder mit Preisangaben in Lats und Euro in einem Laden in Riga.

(Foto: Bloomberg)

Vom ersten Januar 2014 an werden zwei Millionen Letten mit dem Euro bezahlen. Der Abschied von der alten Währung Lats fällt vielen in der Baltenrepublik schwer - sie fürchten Preissteigerungen. Doch die meisten sehen den Beitritt in die Währungsunion als Schutz gegen den mächtigen Nachbarn Russland.

Von Klaus Brill, Riga

Die Letten nennen ihn eigentlich Eiro, nicht Euro. Im Lettischen spricht man nämlich üblicherweise auch von Eiropa oder Eiropas Savienība, der Europäischen Union. Auf den neuen Münzen aber, die die Bewohner des baltischen Staates seit drei Wochen probeweise gegen ihren geliebten Lats eintauschen können, ist der Wert in Euro angegeben - nach den orthografischen Regeln Rest-Europas. Immerhin sind auf der Rückseite vertraute Symbole zu sehen, das lettische Staatswappen beziehungsweise eine nationale Identifikationsfigur namens Milda. Die junge Dame in Landestracht steht für das Streben nach Freiheit, Unabhängigkeit und Eigenständigkeit.

Diese Werte rangieren in der kleinen baltischen Nation aus historischer Erfahrung immer obenan, wenn eine neue Ära beginnt, also jetzt auch zur Einführung des Euro. Als 18. Mitglied tritt Lettland am 1. Januar der europäischen Währungszone bei, und aus mehreren Gründen ist es dort besonders herzlich willkommen. Erstens wird dieser Schritt in diesen Zeiten der Euro-Krise als "Vertrauensbeweis für die gemeinsame Währung" betrachtet, so formulierte es der neue Staatsminister im Berliner Auswärtigen Amt, Michael Roth, vor ein paar Tagen beim Besuch in Riga. Zum Zweiten genießt die lettische Regierung allerhöchsten Respekt dafür, wie sie mit äußerster Anstrengung die Bedingungen für den Beitritt erfüllt hat.

Drakonische Sparmaßnahmen retten das Land

Das Land war nämlich 2008 nach der Pleite der Lehman-Bank von der schweren Weltwirtschafts- und Finanzkrise besonders hart betroffen. Binnen weniger Wochen ging die Wirtschaftstätigkeit um 17 Prozent zurück. Nur noch Kredite der EU und des Internationalen Währungsfonds konnten den Staatsbankrott vermeiden. Der konservativ-liberale Ministerpräsident Valdis Dombrovskis, der damals an die Regierung kam, ergriff drakonische Sparmaßnahmen, das Parlament zog mit. Die Einkommen im öffentlichen Dienst sowie die Renten wurden stark gekürzt und viele Beamtenstellen gestrichen, die Arbeitslosenrate schnellte hoch.

Für die Bürger waren es enorme Zumutungen. Sie zählen ohnehin mit den Bulgaren und Rumänen zu den ärmsten in der EU, das Durchschnittseinkommen liegt bei knapp 700 Euro im Monat. Viele, vor allem Rentner, haben noch weit weniger zur Verfügung, viele kommen ohne Zweitjob oder ohne Unterstützung von Verwandten nicht über die Runden. Umso bemerkenswerter war es, dass Premier Dombrovskis zweimal wiedergewählt wurde.

Latvia Economy And Finance As Baltic Nation Prepares To Adopt The Euro

Noch kosten die Fische wenige Lats, bald wird man sie in Euro zahlen können

(Foto: Bloomberg)

Immerhin hatte ja seine Remedur Erfolg. Die Wirtschaft sprang wieder an, 2012 lag Lettland mit einem Wachstum von 5,6 Prozent an der Spitze in der EU. Rekordwerte um vier Prozent werden auch für zwei weitere Jahre prognostiziert, wenngleich es wohl eine Weile dauert, bis das Niveau von 2007 wieder erreicht ist. Die Rating-Agenturen Moody's und Standard & Poor's hoben die Daumen. In vieler Hinsicht könnten sich andere EU-Länder an Lettland ein Beispiel nehmen. Der Anteil der Verschuldung am Bruttosozialprodukt liegt 2013 bei 42 Prozent. In Deutschland ist er fast doppelt, in Italien dreimal und in Griechenland viermal so hoch. Auch das Maastrichter Defizit-Kriterium von maximal drei Prozent hat Lettland im Haushalt 2013 mit 1,3 Prozent klar unterboten.

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