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Kurz gesichtet:Sommer-Souvenirs

Zum Start in den August: Wandelbares Reisegepäck, das auch für den Stadtbummel geeignet ist. Neue Hocker des Berliner Labels Loehr in Eiscreme-Farben und eine nostalgische Versteigerung von Prada und Sotheby's.

Von Anne Goebel, Julia Rothhaas, Silke Wichert

(Foto: Stefan Hoederath)

Ein bisschen Aufmunterung kann in diesem seltsamen Jahr nicht schaden. Vielleicht haben sich die drei Brüder des Labels Loehr aus Berlin deshalb dafür entschieden, ihre Kollektion um weitere Farben zu ergänzen: Lichtgrau, Lavendel, Graubraun und Orange. Das tut den sachlichen Entwürfen gut, die damit verspielter wirken. Den neuen Anstrich bekommen Hocker, Bänke und Tische der Serie Faber aus Massivholz, aber auch Beistelltische und Polstermöbel. Der Wollstoff kommt von der Künstlerin Margrethe Odgaard. Die drei Designer beziehen sich auf Le Corbusiers Farbsystem "Polychromie Architecturale", mit dem der Franzose zeigen wollte, dass "Farbe in der Architektur ein ebenso kräftiges Mittel ist wie der Grundriss und der Schnitt" (Hocker JL1 Faber ab 550 Euro, loehr.co).

Miuccia Prada gehört zu den großen Orakeln der Mode. Ihre Entwürfe spiegeln den Zeitgeist wider - oder sind ihm ein bisschen voraus. Die Herbstkollektion, im Februar in Mailand noch vor der Pandemie präsentiert, zeigte Kleider und Röcke langen Schlitzen und Fransen. Sinnbilder für die Einschnitte, die uns erwarten, und die ganze verfranste Situation? Auch für ihre nächste Kampagne gibt sich Prada visionär, die Anzeigen sind eine Art Auktionskatalog für die am 2. Oktober in Kooperation mit Sotheby's stattfindende Versteigerung. Unter den Hammer kommen die auf dem Laufsteg getragenen Original-Entwürfe sowie Backstage-Fotos und Einladungskarten. Die "Tools of Memory" genannte Aktion umfasst alle Erinnerungen an die vergangene Show - vorerst ja womöglich eine der letzten. Der Erlös kommt Unesco-Bildungsprojekten zugute (prada.com/auction).

(Foto: Barbour & Supreme)

Barbour, da denkt man an Jura-Studenten oder Gutsherren. Zur Kundschaft von Supreme hingegen passen eher die Attribute hip und cool. Die beiden Marken haben also eigentlich nichts gemein. Vielleicht war die erste gemeinsame Kollektion im April gerade deshalb innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Nun geht es weiter mit der Zusammenarbeit, die Marken legen die Kult-Wachsjacke Bedale neu auf. Einst wurde sie nur von Laufburschen oder Kutschern getragen, die vor allem draußen im dauernassen Großbritannien arbeiten mussten. Die neue Version fällt auf: in Leo-Print, Knallorange und Schwarz. Dazu passend gibt es Bauchtaschen, Kappen sowie den breitkrempigen Fischerhut, jeweils ebenfalls in den für Barbour überraschenden Farbvarianten. Nur schnell muss man sein: Die ungewöhnliche Kollektion ist schon seit 30.Juli im Online-Shop von barbour.com erhältlich.

(Foto: Wayks)

Eigentlich ist gerade nicht die ideale Zeit, um neues Reisegepäck anzuschaffen. Aber weil überall vom nachhaltigen Reisen der Zukunft die Rede ist, könnte man zumindest bei der Ausrüstung damit anfangen. Die zwischen Berlin und Sydney im Jahr 2018 gegründete Marke Wayks verwendet überwiegend recycelte Materialien, etwa aus alten PET-Flaschen, die in zertifizierten Produktionsstätten in Vietnam hergestellt werden. Außerdem soll ihr Gepäck durch ein 3-in-1 Prinzip flexibel sein, sich also sowohl für den Städtetrip als auch fürs Abenteuer eignen. Der große Reiserucksack wird kurzerhand zum kleinen Tagesrucksack - durch ein per Reißverschluss abtrennbares Unterteil. Und falls das Reisen der Zukunft Tourismus in der eigenen Stadt bedeutet: Die minimalistischen Backpacks in Schwarz oder Sandfarben eignen sich auch als Arbeits- oder Freizeittasche (wayks.com).

Die Pandemie hat auch die Beautybranche auf den Kopf gestellt. Umsätze für Lippenstift oder Lidschatten brachen ein, verstärkte Nachfrage sehen Experten weiterhin eher im Bereich Pflege und Wellness als bei Make Up. Das Trendforschungsinstitut WGSN prognostiziert eine "Buy less, but better"-Mentalität, bewusstes Einkaufen bewährter Produkte. Dabei spielen auch regionale Fertigung und Umweltverträglichkeit eine Rolle - ein Vorteil für etablierte kleinere Manufakturen oder Traditionsmarken der Naturkosmetik. Hierzulande könnten davon Firmen wie Augustinus Sturm oder Susanne Kaufmann profitieren, deren Hautpflegeprodukte gerade gefragt sind. Und Frau Tonis Parfum hat mit Jardin Vertical einen unaufdringlich grünen Duft lanciert, hergestellt und abgefüllt in Berlin.

© SZ vom 01.08.2020
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