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Kommentar:Warum US-Bürger Saddam für 9/11 verantwortlich machen

Die US-Regierung hat niemals eine direkte Verbindung zwischen dem irakischen Ex-Diktator und dem 11. September hergestellt - aber immer und immer wieder angedeutet.

69 Prozent der Amerikaner glauben, dass Saddam Hussein für die Anschläge vom 11. September verantwortlich ist - obwohl es keine Hinweise auf eine solche Verbindung gibt. Der Vize-Präsident der USA, Dick Cheney, sagt dazu: "Nein, ich glaube nicht, dass es überraschend ist, dass die Leute diese Verbindung herstellen."

Es muss auch nicht überraschen - hatte die US-Regierung Saddam die Verantwortung zwar niemals direkt zugeschoben, jedoch immer wieder entsprechende Andeutungen gemacht.

Als George W. Bush im März diesen Jahres eine Pressekonferenz zur Bedrohung durch den Irak gab, erwähnte er acht Mal den 11. September - und im gleichen Atemzug den Namen Saddam Hussein.

Tatsächlich machte er ihn nicht direkt für die Anschläge verantwortlich. Doch die Rede und andere Äußerungen der Bush-Administration zuvor zeigten ihre Wirkung. So sahen direkt nach den Anschlägen nur drei Prozent der Amerikaner eine Verbindung zwischen den Attentaten und dem Irak. Im März 2003 waren es bereits 45 Prozent, die glaubten, Saddam wäre beteiligt gewesen - obwohl es in der Zwischenzeit nicht einen einzigen Hinweis darauf gab.

Bush hatte immer wieder Saddam und al-Qaida miteinander in Verbindung gebracht und zugleich an die knapp 3000 Opfer erinnert, die der Anschlag gefordert hatte. "Man kann al-Qaida und Saddam nicht trennen, wenn man über den Krieg gegen den Terror spricht", erklärte Bush im September 2002. Und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld stellte vor dem Kongress fest: "Es gab eine Reihe von Kontakten zwischen dem Irak und al-Qaida. Wir wissen, dass Saddam Terrorakte selbst angeordnet hat." Pentagon-Berater Richard Perle wiederum hatte bereits im Dezember 2001 in der New York Times geschrieben, dass es Hinweise gebe, denen zufolge irakische Geheimdienstagenten sich vor den Anschlägen mit dem späteren Flugzeugentführer Mohammed Atta getroffen hätten - eine Behauptung, die US-Geheimdienste nicht bestätigen wollten.

Noch am Mittwoch hatte die Sicherheitsberaterin des Präsidenten, Condoleezza Rice, erklärt, einer der Gründe für den Krieg gegen den Irak war die Bedrohung, die Saddam darstellte "in einer Region, aus der heraus die Anschläge vom 11. September herbeigeführt wurden". Und Vize-Präsident Dick Cheney erklärte am Montag, dass ein Erfolg in der Stabilisierung und Demokratisierung des Irak einen schweren Schlag gegen die "geografische Basis der Terroristen bedeutet, die uns seit Jahren angegriffen haben, insbesondere am 11. September".

Man kann also Dick Cheney nur Recht geben: Es gibt keinen Grund, darüber zu staunen, dass die meisten US-Bürger glauben, Saddam Hussein sei für die Anschläge mindestens mitverantwortlich.