Jassir Arafat Der Hoffnungsschimmerlügner

Arafat und die Angst vor der Wahrheit.

Von Von Petra Steinberger

"Dies ist meine Heimat, niemand kann mich herauswerfen." Das sagte Arafat einmal, obwohl er doch die meiste Zeit eben nicht dort war, in der zukünftigen Heimat, in Palästina, in Gaza und im Westjordanland.

In Ägypten lebte er und in Jordanien, im Libanon und in Tunesien und nur ein paar Jahre in Gaza. Ein paar weitere Jahre in Ramallah im Westjordanland, umgeben von israelischen Truppen.

Und dann nur noch auf ein paar Quadratmetern in der Muqat'a, einer Ruine, die einmal ein Regierungssitz hätte sein sollen, in der er seine Gäste umarmte, nachdem seine Leibwächter, die in Hausschuhen herumliefen, die Mobiltelefone eingesammelt hatten.

Schließlich, am Ende, in einen Pariser Krankenhaus. Welche Ironie. Wie passend. In der israelischen Knesset berät man sicher gerade darüber, ob man es zulassen kann, dass Arafat in Palästina bestattet wird. Ob man ein Märtyrergrab für die palästinensische Sache dulden oder mit dem Vorwurf leben soll, ihm selbst im Tod die Heimat verweigert zu haben. Andererseits hat Arafat neun Leben. Sagt man.

Im Radio erklärte der Nachrichtensprecher gerade, Arafat, der "Anführer" der Palästinenser, liege im Koma. Vielleicht war der "Anführer" nur ein Versehen, aber es klang irgendwie wahr.

Räuberbandenchef oder Staatsmann

Denn es klang eher nach Räuberbandenchef als nach Staatsmann. Und das darf er ja nie gewesen sein, zumindest, wenn man ihn durch die Augen derer sieht, für die er das Böse verkörpert.

Für sie war Arafat immer ein Terrorist. Aber selbst in den Augen wohlwollender Kritiker machte er viel falsch, vor allem nach dem Abkommen von Oslo, im so genannten Friedensprozess.

Arafat habe immer zu spät entschieden und seinem Volk nie die Wahrheit gesagt - dass sie viel würden aufgeben müssen, um überhaupt noch etwas zu bekommen.

Der israelische Journalist Danny Rubinstein schrieb einmal, Arafat könne nicht Nein sagen. Es würde ihm wehtun, andere leiden zu sehen. Also würde er immer noch utopischere Versprechen machen, nur um niemandem wehzutun, solange derjenige vor ihm stehe.

Und danach? Der kurzfristige Sonderbeauftragte der US-Regierung Anthony Zinni sagte, er habe noch nie in seinem Leben jemand getroffen, zu dem er so wenig Vertrauen gehabt habe.

Vermutlich sind das zwei Seiten desselben Charakterzuges - Hoffnung zu versprechen, ohne zu wissen, ob man sie je erfüllen kann.

Wie häufig bei autoritären Führern hat Arafat keinen Nachfolger herangezogen, der ihm hätte die Führung streitig machen können. Einer wie er muss, um Hoffnung verkaufen zu können, unsterblich sein.

Oder neun Leben haben. "Dies ist meine Heimat, und niemand kann mich herauswerfen." Was aber wird diese Heimat ohne ihn machen?