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Glosse:Das Streiflicht

(SZ) Kann es sein, dass die Seele in diesen Tagen über Gebühr strapaziert und gedehnt wird? Oder ist es nur das schöne, von Natur aus mit seinem elegischen Doppelvokal weithin gestreckte Wort "Seele", das uns ermuntert, alles, was uns freut oder fehlt, an die Seele zu hängen? Nicht dass wir die Ersten wären, die dieses gleich dem Herzen mythenumflorte Organ beschwören, als gäbe es kein Morgen. Wobei viele Menschen, besonders die Einzelhändler, durchaus befürchten, dass es für sie kein Morgen mehr geben könnte. Joachim Neander, der Liebhaber des Neandertals, hat den gewaltigen Choral "Lobe den Herren" geschrieben und an den Imperativ gleich die Adressatin gefügt: "Meine geliebete Seele, das ist mein Begehren." Wir verstehen uns richtig: Die Seele persönlich ist aufgefordert, dieses Lobeswerk zu verrichten. Das kostet, bei aller religiösen Geneigtheit, viel Kraft, und wer Kraft verbraucht, benötigt etwas zwischen die Rippen. Jetzt kommt Monika Grütters ins Spiel, die das gute Wort "Seelennahrung" in unsere pandemischen Hamsterherzen geimpft hat.

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