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Glosse:Das Streiflicht

(SZ) Ob sich der Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben einfach ein bisschen von der Rheinkrise und seinem aus ihr destillierten "Lied der Deutschen" erholen wollte, als er 1843 das Gedicht über die Hagebutte schrieb? Erinnern wir uns: Hoffmann saß zwei Sommer zuvor auf Helgoland, als er erfuhr, dass die Franzosen aus Ärger über ihre, so sahen sie es wohl, Übervorteilung durch Preußen, Russland, Österreich und Großbritannien in der Orientkrise erwogen, einen Krieg mit dem Deutschen Bund anzufangen. Die Flut des Rheins schäumte, die Galle lief dem Dichter über, kurz: das Maß war voll, und ruckzuck hatte er das Gedicht von der Maas bis an die Memel aufgeschrieben. Das Schöne daran war: Der Krieg fand nicht statt, und die dritte Strophe wurde sehr viel später zur deutschen Nationalhymne. Aber die Hagebutte ließ sich durch all diese Kapriolen keineswegs die schwarze Kappe vom Kopf nehmen, denn "Ein Männlein steht im Walde" - das gilt noch heute als schönes Lob kindgerechter, weil untoxischer Männlichkeit.

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