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Glosse:Das Streiflicht

(SZ) Gewiss, Zwanzigzwanzig ist Corona-Jahr, aber es ist auch das Jahr vieler Jubiläen der Premiumklasse: Vor 50 Jahren - Herrgott, es fühlt sich an wie Yesterday - trennten sich die Beatles, und vor 85 Jahren erfand der unsterbliche Carlton Cole Magee die Parkuhr. Doch es kommt noch besser: Der Freiherr von Münchhausen wurde im Mai 300 Jahre alt, angeblich, muss man hinzufügen, denn sein Geburtsdatum ist wahrscheinlich erlogen. Beethoven wiederum feiert demnächst seinen 250. Geburtstag. Das mit Abstand wichtigste Jubiläum aber hat seinen Ursprung im Jahr 1980. Damals brachte Mike Krüger, der dem seinerzeit hochgeehrten Beruf des Blödelbarden nachging, das selbst gefertigte Lied "Der Nippel" heraus. Es war ein Kulturschock, ein musikalischer Hammer, der das Land im Nu spaltete. Die einen fanden die Krüger'sche Lyrik und die simple Melodie so furchtbar, dass sie, wiewohl im Herzen Anarchisten, eine strenge Kulturpolizei herbeisehnten, die anderen verfielen beim Hören in einen Mitklatsch- und Mitsingrausch, aus dem etliche nur mit professioneller Hilfe herauskamen. Wie immer hatten die kulturkritischen Miesmacher das Nachsehen, der Song rauschte auf Platz eins der Hitparade. Beethoven, der damals auf die 210 zuging, soll beim Studium der Nippel-Partitur gesagt haben, er sei nunmehr froh, taub zu sein.

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