Glosse Das Streiflicht

(SZ) James Mattis, der designierte US-Verteidigungsminister, trägt den Spitznamen "Mad Dog", was für schneidige Militärs und für Donald Trump sowieso als Ausweis höchster Kompetenz gilt. Und es ist ja auch wahr: Ein verrückter Hund als Chef des Pentagon ist etwa so vertrauenerweckend wie ein Chirurg, der unter dem Beinamen "der Zitteraal" das Messer führt. In beiden Fällen darf sich der Mensch in guten Händen fühlen, sofern das Glück, sämtliche Schicksalsmächte und der liebe Gott auf seiner Seite sind. Noch beruhigter wäre man, gäbe es unter den pensionierten US-Generälen einen, den die Kameraden getreu dem Vorbild eines römischen Legionärs aus den Asterix-Heften "Schlagdraufundschlus" getauft hätten. Dann wäre dieser Trumps Verteidigungsminister geworden, und man müsste sich überhaupt keine Sorgen mehr um die Zukunft machen.

Dass der Name ein Vorzeichen ist - "Nomen est omen" sagt man unter bayerischen Stammtischbrüdern -, gilt als ausgemacht, stimmt aber nicht immer. Genau genommen fügen sich Name und Karriere nur selten so nahtlos ineinander wie bei Nicolae Militaru, der es zum General und rumänischen Verteidigungsminister brachte. In der Regel ist in dieser Sache oft ein Missverhältnis zu beklagen. Eine Verteidigungsministerin namens Ursula von der Leyen weckt phonetisch eher Assoziationen zur mittelalterlichen Minnesängerei, mit der, soweit bekannt, noch kein Feind in die Flucht geschlagen wurde. Während der bürgerliche Name also meist Schall und Rauch ist, sind Spitznamen eine Erkenntnisquelle, ohne die seriöse Persönlichkeitsanalysen gar nicht denkbar wären. Wer zum Beispiel weiß, dass sich der französische König Karl VI. den Beinamen "Der Wahnsinnige" erwarb, hat schon mal einen guten Überblick über dessen politisches Wirken, welches den Mann, lebte er noch, zu einem Platz in Trumps Kabinett befähigt hätte. Gleiches lässt sich über Karl den Einfältigen sagen, wohingegen der Kalif Abul Abbas der Blutige wegen seines arabischen Namens nicht infrage gekommen wäre.

Um Irrtümern vorzubeugen, ist es von Vorteil, wenn der Spitzname eindeutig ist. Beim US-Boxer James "Lights Out" Toney wusste der Gegner bereits vor dem ersten Gong, dass ihm gleich das Licht ausgeknipst wird. Da gab es ebenso kein Vertun wie bei den Fußballern Uli "die Axt" Borowka und Vinnie "the axe" Jones, die das Spiel als eine Variante des Holzfällens interpretierten. Komplizierter hingegen ist der verrückte Hund. Zwar gehört dieser auf keinen Fall ins Pentagon, als bayerischer Verteidigungsminister aber würde er durchgehen, solange er nicht Söder hieße. In Bayern gilt ein Mensch, von dem es heißt, "a Hund is a scho", durchaus als ministrabel. Der "varreckte" (tote) Hund ist ein wenig anrüchiger, also mehr ein Mann für die Finanzen. Aber so einen hat Trump ja schon.