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"Geringe Sprengkraft":Zweifel am Atomtest Nordkoreas

Frankreich bezweifelt, dass es sich um eine atomare Explosion gehandelt hat. Die Beratungen über mögliche Konsequenzen wurden unterdessen fortgeführt. Auch US-Präsident Bush meldete sich zu Wort.

Die französische Regierung ging am Mittwoch davon aus, dass der Nuklearwaffentest, den Pjöngjang vor zwei Tagen vermeldete, entweder fehlgeschlagen ist oder Nordkorea gar keinen atomaren Sprengsatz gezündet hat. Der US-Botschafter in Japan sagte, womöglich werde die Welt nie erfahren, ob Nordkorea die Wahrheit gesagt habe.

"Was wir beobachtet haben, war eindeutig eine Explosion von begrenztem Umfang", sagte die französische Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie dem Rundfunksender Europe 1.

"Angesichts der geringen Sprengkraft ist es heute aber schwer zu sagen, ob es eine große, aber konventionell herbeigeführte Explosion war oder eine Atomexplosion. Wenn es eine Atomexplosion war, dann ist sie misslungen."

Dies mache die Lage jedoch nicht weniger ernsthaft, fügte sie hinzu. Von außerhalb des Landes wird der Atomtest nach Einschätzung französischer Experten womöglich ohnehin nie belegbar sein. Für die Bewertung der gemessenen Erschütterungen müssten noch eine Reihe von Tests gemacht werden, sagte der Sprecher des französischen Atomenergiekommissariats, Xavier Clément, in Paris.

Neue Drohungen

Nordkorea verschärfte unterdessen seine Drohgebärden. Das kommunistische Land bezeichnete die Bemühungen der USA um UN-Sanktionen am Mittwoch als Kriegserklärung.

Zudem drohte Pjöngjang mit weiteren Atomtests. Im UN-Sicherheitsrat zeichnet sich trotz Vorbehalten Chinas und Russlands ein breiter Konsens für Sanktionen ab. Eine Entscheidung wird bis Freitag erwartet. Die japanische Regierung stoppte am Mittwoch alle Importe aus dem kommunistischen Staat und verhängte ein Einreiseverbot.

Bush will auf Diplomatie setzen

US-Präsident George W. Bush hat angekündigt, die militärische Zusammenarbeit mit Verbündeten in der Region stärken. "Das schließt auch die Kooperation bei der Raketenabwehr ein, um vor nordkoreanischer Aggression zu schützen", sagte er am Mittwoch auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus.

Bush betonte, die USA fühlten sich weiter einer diplomatischen Lösung verpflichtet. Daran werde man nach wie vor arbeiten. Zugleich blieben aber "alle Optionen offen, um unsere Interessen und unsere Freunde in der Region gegen Drohungen Nordkoreas zu verteidigen".

Er habe Südkorea und Japan versichert, Sicherheitsvereinbarungen würden, falls nötig, durchgesetzt. Gemeinsam mit den Verbündeten in der Region und dem UN-Sicherheitsrat wolle man sicherstellen, dass der Atomversuch "ernsthafte Folgen" für das Regime habe.

Die US-Regierung bemühe sich unterdessen weiter um eine Bestätigung der Erklärung Nordkoreas, eine Atombombe gezündet zu haben. Alleine die Aussage sei aber bereits eine Bedrohung des internationalen Friedens und der Stabilität, sagte der Präsident.

Auf Kritik an der Haltung der US-Regierung, bilaterale Gespräche mit Nordkorea strikt abzulehnen, sagte Bush, solche Beratungen hätten in der Vergangenheit nicht funktioniert. Deshalb habe man die Herangehensweise auf diplomatischer Ebene geändert.

"Ich glaube fest daran, dass man mit Regimen wie Nordkorea, ebenso wie mit dem Iran, am besten mit mehr als einer Stimme spricht", sagte Bush mit Blick auf die Sechs-Parteien-Gespräche mit Nordkorea.

© dpa/AFP/sueddeutsche.de/SZ
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