Frauen an der Macht Maggie, Angie und ...?

Der Name der Ex-Premierministerin fällt am häufigsten, wenn man nach Schicksals- genossinnen der zukünftigen Kanzlerin sucht. Frauen in politischen Spitzenämtern - eine interaktive Weltkarte.

Von Jeanne Rubner

Ob der Vergleich mit Maggie Thatcher sie ehrt oder nicht, muss Angela Merkel selbst entscheiden.

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Fest steht aber, dass der Name Thatcher am häufigsten fällt, wenn man weltweit nach Schicksalsgenossinnen der künftigen Kanzlerin der Union sucht.

Denn so lange wie die Dame mit den auffallend großen Handtaschen hat bisher keine andere Frau ein europäisches Land regiert. Über elf Jahre konnte Thatcher ihren Posten verteidigen.

Und wohl keine hat dabei dermaßen Geschichte geschrieben wie die "Eiserne Lady" von London.

Frauen wird oft nicht genug Härte zugetraut. Margaret Thatcher aber schaffte es nach ihrem Amtsantritt 1979, die Macht der übermächtigen Gewerkschaften Großbritanniens zu brechen und die Wirtschaft des Landes radikal zu modernisieren.

Und die Tochter eines Kolonialwarenhändlers brachte ihre europäischen Kollegen oft zur Weißglut, indem sie konsequent britische Interessen - und auch Egoismen - in Brüssel verteidigte.

1990 scheiterte Thatcher weniger an ihrer konservativen Politik als an ihrem selbstherrlichen Führungsstil. Ihre eigene Partei entmachtete sie, und Thatcher musste den Posten für John Major freimachen.

Als Parteichefinnen wie Merkel oder Thatcher sind Frauen selten, als Staatsoberhäupter und Premierministerinnen gar nicht so sehr:

Berühmt und vergessen

Es gab berühmte wie Indira Gandhi in Indien oder Golda Meir in Israel 1969 bis 1973, wobei gerade letztere im Konflikt mit den arabischen Nachbarn als besonders unnachgiebig galt; von ihr soll der Befehl an den Geheimdienst stammen, alle palästinensischen Hintermänner des Münchner Olympia-Überfalls auf israelische Sportler zu töten.

Weniger in Erinnerung blieben Regierungschefinnen in Frankreich, Polen, Kanada, in der Türkei, ja sogar in Burundi, Ruanda und Pakistan.

Häufig jedoch währte die Amtszeit der obersten Politikerinnen nur kurz.

Wer zum Beispiel erinnert sich noch an Hanna Suchocka? Sie war polnische Premierministerin von Juli 1992 bis Oktober 1993.

Oder Kim Campbell? Campbell konnte immerhin als kanadische Premierministerin im Jahr 1993 den Titel des ersten weiblichen Staatschefs Nordamerikas für sich reklamieren, sie blieb jedoch nur sechs Monate im Amt. Tansu Ciller dagegen war türkische Premierministerin für immerhin fast drei Jahre, von 1993 bis 1996.

Auch an Gro Harlem Brundtland, die mehrfach an der Spitze Norwegens stand, erinnert man sich, zumal sie später Präsidentin der Weltgesundheitsorganisation wurde. Und auch Benazir Bhutto (Pakistan), Violetta Chamorro (Nicaragua), Mary Robinson (Irland) oder Vigdis Finnbogadottir (Island) prägten ihre Länder stark.

Erwähnt werden muss auch Edith Cresson, Frankreichs bisher einzige Premierministerin, eine allerdings eher glücklose. Präsident Francois Mitterand hatte die Absolventin der Pariser Elite-Hochschule für Handel 1991 berufen, zuvor war sie bereits zweimal Ministerin gewesen.

Doch dann kochte das Einwanderungsproblem hoch, die sozialen Unruhen in den meist von Nordafrikanern bewohnten Vororten breiteten sich aus. Nach mehreren Misstrauensanträgen musste die Sozialistin Cresson ihren Posten aufgeben, sie war nur 321 Tagen im Amt gewesen.

Ihren schlechten Ruf verdankt sie aber vor allem ihrer unrühmlichen Rolle als Brüsseler Forschungskommissarin, die in ihrem Apparat Korruption und Vetternwirtschaft zuließ.

Dass sie dann einen befreundeten Zahnarzt gut bezahlte medizinische Gutachten schreiben ließ, brachte das Fass zum Überlaufen. Hauptsächlich wegen Cresson musste 1999 die gesamte Kommission unter Jacques Santer zurücktreten.

Einsam in der Männerrunde

Wird Angela Merkel Deutschlands erste Kanzlerin, wäre sie in Europa voraussichtlich etwas einsam in der Runde der männlichen Regierungschefs.

Doch bei Auslandsbesuchen in Europa könnte Angela Merkel ein paar weibliche Staatsoberhäupter treffen:

Vaira Vike-Freiberga, die populäre lettische Präsidentin, die seit 1999 im Amt ist und sich durch ihr unabhängiges und unerschrockenes Auftreten viel Respekt verschafft hat, oder Tarja Halonen, immerhin seit 2000 Staatspräsidentin von Finnland.

Sie haben es geschafft, die Macht in einer Männerwelt nicht nur zu erobern, sondern auch zu verteidigen.