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Folter von Terrorverdächtigen:183 Mal Waterboarding

Die CIA soll Waterboarding weitaus häufiger angewendet haben, als bislang bekannt - die harte Verhörmethode gerät dadurch erneut ins Kreuzfeuer der Kritik.

Der US-Geheimdienst CIA hat das sogenannte Waterboarding - das simulierte Ertränken - bei Verhören von mutmaßlichen Terroristen nach neuen Informationen viel häufiger angewandt als bisher bekannt.

Chalid Scheich Mohammed soll 183 Mal durch Waterboarding gefoltert worden sein - das könnte Fragen nach der Effektivät dieser Verhörmethode aufwerfen.

(Foto: Foto: dpa)

So sei allein der als Chefplaner der Anschläge von 11. September 2001 geltende Chalid Scheich Mohammed 183 Mal im Jahr 2003 dieser umstrittenen Verhörmethode ausgesetzt worden, berichtete die New York Times (NYT). Die Zeitung bezieht sich dabei auf Memos des US-Justizministeriums.

Ein anderer mutmaßlicher Terrorist, Abu Subaida, sei 83 Mal auf diese Weise im Jahr 2002 gequält worden. Ein früherer hoher CIA-Mitarbeiter, John Kiriakou, hatte im Jahr 2007 erklärt, Abu Subaida sei nur 35 Sekunden dem Waterboarding ausgesetzt worden, bevor er alles gestanden habe.

Die NYT hatte bereits 2007 berichtet, dass Chalid Scheich Mohammed mehr als hundert Mal "harten" Verhörmethoden unterworfen worden war, allerdings waren damals keine Details bekannt.

Die Tatsache, dass die Methode des Waterboarding derart oft angewandt worden war, könnte Fragen sowohl über ihre Effektivität als auch über die Behauptung der Bush-Regierung hervorrufen, dass die Verhörmethoden nur unter strikten Regeln angewandt worden seien, schreibt die Zeitung weiter.

Häufigeres Waterboarding, größere Wassermengen

Einer Fußnote aus einem anderen Memo des Justizministeriums von 2005 zufolge soll Waterboarding zudem nicht nur häufiger angewandt worden sein als bislang bekannt, sondern auch mit größeren Wassermengen als die CIA-Regeln erlaubten.

Michael V. Hayden, der CIA-Chef während der letzten zwei Jahre der Bush-Regierung war, wollte die Berichte nicht kommentieren. Er glaube, dass diese Informationen immer noch als geheim klassifiziert seien, sagte er Fox News am Sonntag. Auch ein CIA-Sprecher wollte zu den Berichten gegenüber der NYT keine Stellung nehmen.

Der frühere CIA-Chef Hayden bestritt zudem in einem NYT-Artikel vom Sonntag Berichte, wonach das Waterboarding Subaidas keine neuen Erkenntnisse gebracht hätte. Er denke, dass die Anwendung verschiedener Verhörmethoden dazu geführt hätten, dass Subaida Informationen preisgab, die zur Verhaftung des Terrorverdächtigen Ramsi Bin al-Schib führten, sagte Hayden.

US-Präsident Barack Obama hatte in der vergangenen Woche Straffreiheit für Folterverhöre angekündigt und damit einen Sturm der Entrüstung auch unter vielen seiner Anhänger ausgelöst. Am Montag wollte Obama das CIA-Hauptquartier besuchen und dort vor Mitarbeitern sprechen.

Scheich Mohammed und Subaida gelten als Schlüsselfiguren im Terrornetzwerk al-Qaida. Mohammed stellt sich selbst als den Kopf der Terroranschläge am 11. September 2001 dar, er wurde im März 2003 in Pakistan gefasst. Im vergangenen Jahr wurde er von einer US-Militärkommission der Kriegsverbrechen und des Mordes angeklagt, bei einem Schuldspruch droht ihm die Hinrichtung.

Subaida wurde 2002 festgenommen. Der frühere US-Präsident George W. Bush hatte ihn als Chef der Al-Qaida-Operationen bezeichnet, andere hochrangige US-Vertreter stuften ihn als "Vertrauten" von Al-Qaida-Chef Osama bin Laden und Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September 2001 ein.

© sueddeutsche.de/dpa/AFP/gal
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