Finanzsenator Sarrazin:Einfach 'nen dicken Pulli anziehen

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Thilo Sarrazin ist immer für einen Spruch gut. Nun hat Berlins Finanzsenator einen provokanten Vorschlag zur Energiekrise gemacht.

Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) lehnt Sozialtarife für Heizung und Strom ab. Die Menschen sollten stattdessen, ihren Energieverbrauch einschränken und die Zimmertemperatur drosseln. "Wenn die Energiekosten so hoch sind wie die Mieten, werden sich die Menschen überlegen, ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können", sagte Sarrazin der in Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post.

Finanzsenator Sarrazin: Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin provoziert gerne.

Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin provoziert gerne.

(Foto: Foto: ddp)

Sarrazin schaltete sich damit in die Debatte um steigende Energiepreise und Staatshilfen für Bedürftige ein. Gewerkschaften, Linkspartei und Sozialverbände fordern Sozialtarife für Arme. Der Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi, hatte sogar von Kältetoten gesprochen, falls die Energiekonzerne nicht gezwungen werden, Sozialtarife anzubieten.

"Empfängern von Arbeitslosengeld II werden die Heizkosten erstattet. Darüber hinaus sehe ich keinen Handlungsbedarf", sagte Sarrazin. "Bei uns waren es zu Hause immer 16 Grad. Am Morgen hat mein Vater die Koksheizung befeuert und sie erst am Abend, wenn er von der Arbeit zurückkam, wieder angemacht. Das hielt dann immer gerade für 16 Grad. Ich habe es überlebt", sagte der SPD-Politiker.

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung warnte Sarrazin seine Partei vor Populismus. "Die SPD ist in der Gefahr zu wiederholen, was die CDU in Berlin gemacht hat", sagte der Senator. "Das Muster ist wieder zu sehen: kein sozialpolitisches Versprechen, dass die CDU nicht schon gegeben hätte." Auch die Linke betreibe einen "allgemeinen Populismus im Geldausgeben". Hier müsse die SPD noch "ihre Antwort auf einen linken Illusionismus finden". In Berlin wisse die mitregierende Linke, "dass ohne vernünftiges Wirtschaften nichts funktioniert".

Wirtschaftssenator Harald Wolf "war immer ein solider Haushälter", lobte Sarrazin seinen Kollegen der Linken.

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