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Facebook-Analyse:Was Pegida Auftrieb gibt

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SZ-Grafik

Die Auswertung der Facebook-Seite von Pegida ermöglicht einen Einblick in die Gedankenwelt der Anhänger. Ein Merkel-Zitat mobilisierte besonders viele von ihnen.

Die Süddeutsche Zeitung hat alle Kommentare, Posts und Interaktionen auf der Facebook-Seite von Pegida vom 28. Dezember 2014 bis zum 31. Dezember 2015 gesammelt und ausgewertet, nach den verwendeten Begriffen, nach der Häufigkeit der Interaktionen, nach der Weiterverbreitung der Inhalte. Aus dem Datensatz zogen die Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch und Susanne Flach per Zufallsauswahl 1000 Kommentare. Von diesen wurden Beiträge, die Smalltalk oder Verlinkungen enthielten, aussortiert, ebenso wie Beiträge von Nutzern, die sich klar als nicht der Pegida zugehörig zu erkennen gaben. Übrig blieben 643 Kommentare, die 1080 Aussagen enthielten. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, sie erlauben aber einen Einblick in die Gedankenwelt der Pegida-Anhänger.

Auf Facebook folgen etwa 200 000 Menschen der Pegida-Seite. Zum Vergleich: Die CDU bringt es auf 100 000 Facebook-Nutzer, die der SPD auf gut 90 000. Die Zahl sagt aber wenig über die Aktivität der Anhänger aus. Wer einmal auf "gefällt mir" geklickt hat, wird so lange als Anhänger gezählt, bis er diesen Schritt revidiert. Aussagekräftiger sind die Interaktionen. Der Januar 2015 war ein Rekordmonat: Es gab mehr als 76 000 Kommentare von mehr als 25 000 Kommentierenden. Dazu fast 84 000 Shares, also geteilte Inhalte (siehe Grafik). Bereits im Februar geht die Zahl zurück. Seit Merkels Äußerung "Wir schaffen das" am 31. August 2015 steigen die Kommentare und Interaktionen wieder an, der Höhepunkt ist im September erreicht, 108 000 Inhalte werden geteilt. Damit lässt sich eine These bestätigen, die schon öfter zu lesen war: Die Flüchtlingskrise hat Pegida gerettet. Zudem fällt auf, dass sich die Bewegung offenbar immer weniger mit sich selbst beschäftigt. Im Januar war "Pegida" mit mehr als 12 000 Nennungen noch das mit Abstand meist genutzte Wort. Im August fiel der Name nur noch knapp 900 Mal. Die ausführliche Analyse unter www.sz.de/pegida