Extremismus König-Fahd-Akademie wird doch nicht geschlossen

Die unter dem Verdacht radikal-islamistischer Tendenzen stehende saudi-arabische Schule in Bonn darf vermutlich nur unter strengen Auflagen weiterbetrieben werden.

Der Kölner Regierungspräsident Jürgen Roters hatte zuvor wiederholt signalisiert, dass der Schulbetrieb der Fahd-Akademie wegen unduldbarer fundamentalistischer Tendenzen untersagt werden soll.

Nach dpa-Informationen haben Gespräche auf verschiedenen politischen Ebenen und auch mit der saudischen Seite in Berlin zu der unerwarteten neuen Entscheidung geführt. Was genau zu der überraschenden Entscheidung führte und welche Lösung mit möglichen Auflagen für den künftigen Schulbetrieb gefunden wurde, war zunächst unklar.

Roters wollte sich zu der Position der Bezirksregierung am Nachmittag in Köln näher äußern. Ihr obliegt die Schulaufsicht über die Akademie, zu der auch ein Gebetsraum für Muslime gehört. Die Stadt Bonn hatte in Vorbereitung auf ein Unterrichtsverbot bereits die Verlegung der Schüler auf andere Schulen im Stadtgebiet geplant.

Ein Lehrer rief zum "Heiligen Krieg" auf

An der von Saudi-Arabien 1994 gegründeten und bis heute finanzierten Schule werden derzeit rund 460 Schüler von der Grundschule bis zum Abitur unterrichtet, darunter knapp 200 mit deutscher Staatsbürgerschaft.

Eine erste Prüfung von Unterrichtsmaterial und Lehrplänen war nach Darstellung der Bezirksregierung "Besorgnis erregend" ausgefallen.

Die Akademie war in der vergangenen Woche bereits einer ultimativen Aufforderung der Bezirksregierung gefolgt und hatte einen Lehrer suspendiert.

Er soll bei einem Freitagsgebet im Gebetsraum der Akademie zum "Heiligen Krieg" gegen den Westen aufgerufen haben. Nach Angaben der Akademie handelt es sich bei dem Prediger um einen gebürtigen Libanesen mit deutschem Pass.

Anziehungspunkt für radikale Islamisten

Neben den Vorgängen im schulischen Bereich haben sich nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes die Hinweise verdichtet, dass die Akademie verstärkt radikale Islamisten anzog.

Dazu sollen auch Personen gehören, bei denen es laut Bonner Polizei Verdacht auf Kontakte zu Terror-Organisationen wie al-Qaida gebe. Die Akademie steht aber nicht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, wie eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Innenministeriums in Düsseldorf sagte.

Die König-Fahd-Akademie mit einer Schule und einer Moschee war 1994 auf Weisung des saudischen Königs Fahd gegründet worden. Für Grundstück und Bau spendete der Monarch nach damaligen Berichten 14 Millionen Euro aus seiner Privatschatulle.